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Kultur in der Region Hildesheim

1950 - Der Brand im Schafstall Derneburg oder Die große Sause der Feuerwehr

Dieser Brand in Derneburg ist wohl den meisten Feuerwehrmännern, die daran teilgenommen haben, in lebhafter Erinnerung geblieben. Einmal das Brandgeschehen selber mit all seinen unerfreulichen Begleiterscheinungen, zum anderen aber der an Reserven unerschöpfliche Weinkeller im Schloß. Doch nun das Geschehen der Reihe nach.

Es war ein sehr schöner warmer Sommertag. Des Morgens waren Karl Westhausen und Wilhelm Eilers zum Wald gegangen, um in der Forst ihren Dienst zu tun. Die Arbeitnehmer aus Hackenstedt hatten ihren Arbeitsplatz - wie auch heute - außerhalb. Viele arbeiteten in der Ziegelei in Sottrum, andere im Kalischacht Bad Salzdetfurth, auf dem Gut Söder, in Hildesheim, eben überall, wo sie ihrem Beruf gemäß Arbeit finden konnten.

Im Ort war an diesem Tage nirgends Hektik zu spüren. In der Landwirtschaft hatte man etwas mehr Ruhe als sonst, denn es war die Zeit zwischen Saat und Ernte.

Doch dann plötzlich kam reges Treiben auf, als am frühen Nachmittag die Sturmglocke vom Kirchturm zu hören war, die Gustav Eilers (Köchi) mit aller Macht läutete. Schnell war bekannt, daß der Schafstall in Derneburg brannte.

[...]

Die Feuerwehrmänner, die die Sturmglocke hörten, eilten zum Spritzenhaus. Jedoch auch andere versammelten sich dort, die noch nicht der Wehr angehörten, und so schnell es mit dem Trecker ging, fuhren sie nach Derneburg. Der Fahrer war Karl Sukop, der bei Erich Mahnkopf im Dienst war.

Die Sturmglocke machte auch die beiden im Walde, K. Westhausen und W. Eilers, auf den Brand aufmerksam. Sie machten sich sofort auf den Weg nach Hause, zogen ihre Uniformröcke an und gingen dann zu Fuß nach Derneburg, um dort zu helfen.

[...]

5 Wehren waren im Einsatz: Derneburg, Holle, Heersum, Sillium und Hackenstedt.

[...]

Doch was tat sich außerhalb des Brandherdes. Auffällig war, daß viele Feuerwehrmänner den Weg um das Schloß benutzten, wo es doch garnicht brannte. Es war ein dauerndes Hin und Her. Und dann wußten sie es. Im Weinkeller des Schlosses, von außen begehbar, lagerten Spirituosen. Fässer, Flaschen, von allen Sorten war was da, auch harte Sachen.

Ein Ehepaar Binder hatte sich hier etabliert. Sie füllten Flaschen ab, etikettierten selbst und brachten die Ware in den Handel. Zu der Zeit, kurz nach der Währungsreform, war dies ein einträgliches Gewerbe. An diesem Tage waren sie jedoch nicht anwesend, zum Glück oder auch Unglück etlicher Feuerwehrkameraden.

Von den Hackenstedtern hatte Gustav Eilers als erster die Lage erkannt. Er kam vom Tatort zurück, um seine Kameraden zu informieren, aber nicht mit leeren Händen. Eine Flasche Kognak hatte er als Beweismittel in der Hand. Nun begann das Löschen im doppelten Sinn. Die Kontrollgänge zum Weinkeller rissen nicht ab. Doch der Rückweg von dort wurde für manchen schwer, für einige sogar zur Unmöglichkeit, denn der Geist des Alkohols schlug mächtig zu.

Wer nun garnicht mehr stehen konnte, wurde zwischendurch mit dem Trecker nach Hause gebracht, Hackenstedter natürlich auch.

Mit aller Anerkennung muß man aber im nachhinein feststellen, daß die Löscharbeiten unter dieser zweiten Brandbekämpfung nicht vernachlässigt wurden und der Brand im Stallgebäude gegen Abend desselben Tages erfolgreich bekämpft war.

Das Fazit dieses Brandes zumindest für die Hackenstedter Wehr: es muß vielen so gefallen haben, daß rückwirkend zum 1. Januar 1950 18 Kameraden in die Wehr eingetreten sind.

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