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Geschichte

Geschichtliches

Ortshausen ist eines von 18 Ambergaudörfern, die zugleich die Stadtgemeinde Bockenem im Landkreis Hildesheim bilden. Ortshausen hat etwa 230 Einwohner und liegt drei Kilometer südöstlich des Gemeinde- und Verwaltungsmittelpunktes Bockenem an der Grenze zum benachbarten Landkreis Goslar.

Durch den Ort fließt der Ortshäuser Bach, dessen Quelle der sogenannte Köhlerbrunnen im östlich gelegenen Waldgebiet Osterholz liegt.

Ortshausen, das im Jahre 1131 in einem Schutzbrief des Kaisers Lothar für das Kloster Riechenberg in Goslar erstmals urkundlich erwähnt wurde, hatte im Verlaufe der Jahrhunderte wechselnde Namen. So taucht es unter Osdageshusen, Ordageshusen, Ordagishusen und Ordeshusen auf. 1508 wird Ortshausen im Zusammenhang mit der Abtei Gandersheim genannt und aus den in dieser Zeit einsetzenden Steuerlisten und Erbregistern können genauere Kenntnisse über die Bewohner des Ortes und deren Besitzverhältnisse ermittelt werden.

Unter den Folgen der Hildesheimer Stiftsfehde, den Auseinandersetzungen und Plünderungen während Dreißigjährigen Krieges und der Pestepidemie hatte, wie alle Dörfer des Ambergau, auch Ortshausen zu leiden. 1578 waren hier drei von fünf Ackerhöfen aufgegeben, von drei Halbspännern d.h. leibeigenen Bauern, die in der dörflichen Hierarchie an zweiter Stelle standen, eine Hofstelle eingegangen und sechs von 22 Kothöfen (Kothof = kleiner Hof) wüst gefallen. Zu dieser Zeit fallen auch die benachbarten Orte Hochstedt und Pockenhausen wüst, ihre Bewohner siedeln zum Teil nach Ortshausen über. In Ortshäuser Erbregistern und Steuerlisten tauchen daher Landbesitz und Anwesen auf, die ursprünglich zur Gemarkung dieser Dörfer gehört haben. Bis 1758 zählt Ortshausen daher zu den größeren Orten des Ambergau.

Die Farben Blau und Gold (Gelb) als Landesfarben des ehemaligen Herzogtums Braunschweig haben die Ortshäuser bei der Gestaltung ihres Dorfwappens berücksichtigt. In diesem Wappen wird das Schild durch eine diagonale, von oben rechts nach unten links führende wellenförmige Linie in zwei Hälften unterteilt. Im oberen linken und blau unterlegten Teil befindet sich eine Krone, mit der an die Lage des Ortes am Königsweg (via regia) erinnert werden soll. Dieser den Ambergau in West-Ost-Richtung durchziehende Hauptweg führte schon im 9. und 10. Jh. die ottonischen Könige von Brüggen an der Leine über das nahe gelegene Königsdahlum und den Königsturm schließlich über Ortshausen und am Ortshäuser Bach entlang bis zur Kaiserpfalz Werla. Diesem alten und 85 Kilometer langen und ausgeschilderten Weg kann man noch heute zu Fuß folgen. Alle Informationen dazu findet man hier.

Im unteren linken und gelb eingefärbten Feld des Ortshäuser Wappens liegt ein schwarzer Handwagen, der an das Eisenlager im Wald bei Ortshausen erinnert. Hier wurde nachweislich ab 1727 über mehrere Jahrzehnte Erz gewonnen und von Ortshäuser Bauern mithilfe schwerer zweirädriger Wagen zur Erzhütte nach Bornum transportiert.

Bis heute ist Ortshausen, trotz seiner Nähe zur Autobahn 7, ein kleines und ruhiges Dorf geblieben. Der Autobahnanschluss Bockenem liegt zwar wenige Kilometer entfernt, Ortshausen ist jedoch nur über die B 243 und kleinere Land- und Kreisstraßen zu erreichen, muss daher keinen Durchgangsverkehr befürchten und hat trotz Stilllegung ehemaliger landwirtschaftlicher Betriebe seinen dörflichen Charakter bewahrt. Ein sehr aktiver Heimatverein mit eigener Website und die Ortsfeuerwehr sorgen über das Jahr verteilt für Aktivitäten, die der Dorfgemeinschaft guttun und offenbar Früchte tragen. Nicht zuletzt die Neugründung einer Krabbelgruppe im Jahr 2018 scheint dafür zu sprechen, dass man sich hier gern niederlässt.

Historische Baulichkeiten

St. Johannis-Kirche

Zu finden: Pfarrstraße, 31167 Ortshausen

Über das Jahr der Gründung der Ortshäuser Kapelle ist nichts bekannt. Zur Zeit der Entstehung der zum Archediakonat Bockenem gehörenden Tochterkirchen war Ortshausen ebenso, wie die später wüst gefallenen Dörfer Hahausen und Pockenhausen, in Jerze eingepfarrt. Die in Jerze ansässigen Ritter gehörten zum Templerorden und gründeten dort eine Gutskirche.

Zur Zeit der Reformation wurde der Gemeindemittelpunkt aber nach Ortshausen verlegt und die Pfarrer lebten von nun an hier.

Die noch heute in Ortshausen bestehende Kirche entstand im Jahre 1371 und ist Johannes dem Täufer geweiht. Ältestes Inventarstück der kleinen einschiffigen Kirche ist der achteckige Taufstein aus dem Jahre 1577. Bis heute erhalten sind im Kirchturm drei Glocken. Die älteste wurde  im Jahre 1490 gegossen - sie trägt mit dieser Jahreszahl außerdem die Inschrift ,,Anna ist mein Name. O Jesus Christus, komm mit Frieden. Komm heiliger Geist, erbarme dich unser" (Übers. aus dem Lat.). Eine weitere Glocke stammt aus dem Jahre 1581. In ihrer Inschrift ist der Name des damaligen Pastors Andreas Bruno zu erkennen, der zwischen 1578 und 1583 in Ortshausen tätig war. Diese und die Taufglocke aus dem Jahre 1686 werden seit 1958 elektrisch geläutet. 

1662 bittet der Pastor Johann Andreas Bodenburg Herzog Anton Ulrich von Braunschweig-Wolfenbüttel, zu dessen Besitz der östliche Ambergau zu dieser Zeit gehört, um Unterstützung bei der Reparatur der Ortshäuser Kirche. Im 19. Jh ist das Kirchenschiff einsturzgefährdet und wird 1806 erneuert. Die Turmuhr der Kirche stammt, wie zahlreiche andere im Hildesheimer Raum, aus der Turmuhrenfabrik Weule in Bockenem. 1958 wurde der Kirchturm mit Kupfer eingedeckt und leuchtet nun grün zwischen den Dächern der Wohnhäuser hervor.

Heute gehört die Kirchengemeinde von Ortshausen noch immer mit Jerze und außerdem mit Bornum am Harz zu einem Gemeindeverbund. Die Kirche ist nur zu Gottesdienstzeiten geöffnt. Auf der gemeinsamen Website können diese eingesehen werden.

Pfarrhaus

Zu finden: Vor dem Dorfe 6, 31167 Ortshausen

Neben der Kirche liegt das Fachwerk-Pfarrhaus aus dem Jahre 1850, zu dem eine Scheune und ein kleines Waschhaus gehören.

Das Pfarrhaus wird heute nicht mehr von einem Pfarrer bewohnt, die untere Etage aber noch von der Kirchengemeinde genutzt. Das Waschhaus neben der Scheune wurde 2002 in Eigeninitiative der Ortshäuser Jugend zu einem Jugendtreffpunkt umgestaltet.  

Monumente

Wappenstein

Zu finden: Vor dem Dorfe/Pfarrstraße,  31167 Ortshausen

Im Juli 2005 stiftete ein Bürger Ortshausens einen Granitstein mit Namen und Wappen des Ortes, der seitdem seinen Platz an der am westlichen Ortsrand verlaufenden Hauptstraße hat. Seit dieser Zeit führt Ortshausen inoffiziell den Namenszusatz ,,am Königsweg".

(Foto im Ordner Pradella)

Ehrenmal

Zu finden: An der Kirche, Kunterstraße

Auf der Südsteite der St. Johannis-Kirche findet man ein Ehrenmal, mit dem die Ortshäuser ihrer im 1. und 2. Weltkrieg gefallenen Mitbürger gedenken.

Köhlerhütte

Zu finden: Privatgelände der Fam. Tammen, In der Tränke 12, 31167 Ortshausen

Im Rahmen Ambergautages 2010 errichtete und betrieb ein Köhler des Harzer Köhlerverein e.V. mit Unterstützung der Bevölkerung in Ortshausen einen Kohlenmeiler und konnte so auf eindrucksvolle Weise die in der Vergangenheit übliche Herstellung von Kohle zeigen und erfahrbar machen. Zu diesem Zweck baute man eine Köhlerhütte, in der sich der Köhler während dieser Zeit aufhalten konnte. Da die Köhlerhütte auf dem Privatgelände einer Ortshäuser Familie steht, kann sie nur im Rahmen von dort stattfindenden Dorffesten besichtigt werden.

Der Bau eines Kohlenmeiler wurde 2015 noch einmal wiederholt, die im Rahmen dieser Aktionen enstandene Kohle fand selbstverständlich auf dem bekanntesten Grillplatz des Ambergau hier in Ortshausen reissenden Absatz.