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Interessant + Wissenswert

Sagen und Geschichten

Stakenklopper und andere Grenzverletzer

In einigen Dörfern im Ambergau wird viel von einer gespenstischen Erscheinung erzählt, die „Stakenklopper“ (Zaunklopfer) genannt wird. Es ist dies der Geist eines Menschen, der sich im Leben von dem Grund und Boden seines Nachbarn widerrechtlich etwas angeeignet hatte, indem er bei der Herstellung eines neuen Zaunes die Zaunpfähle zu weit in das Grundstück seines Nachbarn hineinrückte. Dafür geht er nun nach seinem Tode nachts da um und klopft laut an die von ihm falsch gesetzten Pfähle. Sobald nämlich die Glocke elf schlägt, beginnt an einem Ende des Zauns das Klopfen und geht dann immer weiter bis zum anderen Ende, indem auf jeden Pfahl drei heftige Schläge fallen. Man hört diese Schläge weithin, sieht aber nichts.

Ein Bauer, der an der fraglichen Stelle seinen Acker besaß, glaubte nicht an diesen Spuk. Er meinte, das Gerücht hätten die Leute aufgebracht, die auf dem Felde stehlen wollten.

Er nahm eines Tages in der Erntezeit sein Gewehr uns setzte sich nach der Uhlenflucht an seine Stiege, um den Dieben das Handwerk zu legen. Stunde um Stunde verging, und kein Mensch, kein Gespenst ließ sich sehen. Der Bauer dachte schon, er habe sich die Nacht vergeblich um die Ohren geschlagen. Da verkündete die Turmuhr dem Dorfe die Mitternacht.

Mit dem letzten Glockenschlag kam eine Gestalt vom nahen Kirchhof gerade auf ihn zu. Sie trug eine Hacke auf der Schulter und hatte den Kopf zur Erde gesenkt, gerade als wolle sie etwas suchen. Dicht bei dem Bauern blieb die Gestalt stehen und begann, in der Furche zu hacken und zu wühlen. Dabei murmelte sie ohne Unterlass dumpfe Worte. Als er genauer hinhörte, verstand der Bauer erst den Sinn. Die Gestalt sagte: „Wo ist der Grenzstein? Wo ist der Grenzstein?“

Da fiel dem Bauern die alte Geschichte ein. Das Gespenst war sein Vorfahre, der seinem Nachbarn die Grenzsteine verrückt hatte und nun zur Strafe als Grenzer umgehen musste. Mit dem Glockenschlag eins war die Gestalt wieder in der Nacht verschwunden.

Am folgenden Tag ging der Bauer mit mehreren alten Leuten, die in der Feldmark genau Bescheid wussten, zu seinem Acker, suchte den Stein und setzte ihn an den richtigen Ort. Der Grenzgeher war nun erlöst, man hat ihn seitdem nie wieder gesehen.

Die Geresklippe

Von den Bodensteiner Klippen, die steil und zerklüftet auf dem Steinberge bei Bodenstein aufragen und stumpfe Kegel und Bastionen bilden, trägt die eine den Namen „Geresklippe“.

Der Knecht Andreas Geres hatte eine Braut in Mahlum, der er die Ehe versprochen hatte. Ihr Verkehr mit Geres war nicht ohne Folgen geblieben. Nun aber war in Königsdahlum ein schönes Mädchen, das er noch lieber heiraten wollte, weil es ihm noch besser gefiel als die Mahlumer Braut. Wie aber sollte er seine Braut loswerden? Als er an einem Herbstmorgen beim „Roten Tor“ am Ortshäuser Bach pflügte, kam auf dem Wege von Bockenem nach Mahlum ein Mann daher, der nach Mahlum wollte. Da kam dem Pflüger ein teuflischer Gedanke. Er rief dem Manne zu; „He, Naber, segget doch minen Mäken, et solle hille na de Großmudder in Dahlum komen, die liggt sterbenskrank!“ – „Dat will eck bestellen!“, sagte der Mann und ging nach Mahlum.

Es dauert eine knappe Stunde, da kommt die Mahlumer Braut beim Roten Tor angelaufen, um auf dem schnellsten Wege nach Königsdahlum zu kommen, wo ihre Großmutter wohnte. Als sie auf Geres zueilt, um ihm noch schnell „Guten Morgen“ zu sagen, nimmt er sein Messer und ersticht sie. Die Leiche wirft er in den Graben und bedeckt sie mit Weidenzweigen. Darauf bringt er das Gespann ins Dorf und kündigt seinen Dienst.

Geres läuft in den Wald, um sich zu verstecken. „Wird man die Tote finden?“, so klingt’s ihm in den Ohren. Er verbringt schlaflos die Nacht. Am Morgen klettert er auf die höchste Klippe, von dort kann er das Rote Tor sehen. Da kommt aus dem Bockenemer Steintor der Kuhhirt mit seiner Herde, um mit ihr zu den Weiden am Ortshäuser Bach zu ziehen. Als er das Rote Tor erreicht, kann Geres erkennen, wie der Hund auf den Graben zuläuft, unentwegt bellt und sich nicht zurückrufen lässt. Der Hirt eilt hinzu und findet die Ermordete.

Nun hält nichts mehr den Mörder auf der Klippe, sein Herz will zerspringen. Er flieht nach Braunschweig, wo man ihn, wie er denkt, nicht finden wird. Hier bleibt er einige Tage. Dann redet er sich ein: „Wer kann es mir beweisen, dass ich es getan habe, es hat ja keiner gesehen.“ Er kauft für die Dahlumer Braut eine Tüte Zwiebäcke und begibt sich nach Königsdahlum.

Im Dorf sieht man ihn eigenartig an, er wird unruhig. „Doch wer will mir die Tat nachweisen?“ Mit diesem Gedanken tritt er in das Haus. Als das Mädchen ihn erblickt, schreit es laut auf und läuft davon. Vor dem Hause sammeln sich Leute, beherzte Männer gehen hinein, greifen den Mörder und übergeben ihn der Obrigkeit.

Am 17. Februar 1792 wurde Andreas Geres auf der Richtstätte vor Bockenem hingerichtet. Es war die letzte Hinrichtung, die vor Bockenem stattfand. Der Klippe aber, auf der der Mörder nach seiner grausigen Tat gestanden hatte, gab man zur Warnung den Namen „Geresklippe“.

Brennender Busch

Ein Mann ging von Volkersheim nach Mahlum. In der „Hannecke“ sah er in einem Busch ein Feuer brennen. „Halt“, sagte sich der Mann, „da ist Feuer für meine Pfeife.“

Er stopfte sie, ging hin, zündete sie mit einem brennenden Holzstückchen an und ging weiter. Als er in Mahlum den ausgebrannten Pfeifenkopf ausklopfte, fiel mit der Asche ein Goldklümpchen

Die Glockensage

Im 15. Jahrhundert erbauten die Bürger von Bockenem zum Schutze ihrer Feldmark eine Landwehr, die aus Gräben und Dornhecken bestand. Wo ein Weg durch die Landwehr führte, errichtete man einen Wachtturm, u.B. den Hochstedter Turm.

Die Glocke des Hochstedter Turmes soll in der Stiftsfehde vergraben worden sein, damit sie den Feinden nicht in die Hände fiele. Später habe man vergessen, so wird erzählt, wo man sie eingegraben hatte. Eines Tages habe eine Sau die Glocke herausgewühlt, und die Mahlumer, die sie zuerst entdeckten, hätten sie in ihren Kirchturm gehängt.

Alle Geschichten aus: Blume, Hermann, Von Tückeboten, Lüchtenkeerls und weißen Frauen, Sagen und Erzählungen aus dem Hildesheimer Land, Gerstenberg Verlag, Hildesheim 1986

Schriftgut und Überliefertes

- Poppe, Herbert, Das Dorf Mahlum, Druckerei Jörg Lühmann, Bockenem 2005 (auch als pdf über die Website Mahlums)

- Poppe, Herbert, Wasser für Mahlum, Druckerei Jörg Lühmann Bockenem 2008 (auch als pdf über die Website Mahlums)

- Ackenhausen, Wilhelm, Bornum und seine Umgebung im mittleren Ambergau, Druckerei und Verlag H.Hoffmann Seesen/Harz 1962

- Günther, Friedrich, Der Ambergau, Verlag Carl Meyer Hannover 1887

- Meißner, Wolfgang, St.Johannis in Mahlum, Ein Gang durch unsere Kirche - Sehhilfe für den Betrachter

- Klaube, Manfred, Biographisches Lexikon zu verdienten Bürgerinnen und Bürgern der Stadt Bockenem und des Ambergaus, Bockenem 2004

Berühmte Persönlichkeiten

Mit Mahlum sind bis heute auch die Namen einiger über die Dorfgrenzen hinaus bekannt gewordener Persönlichkeiten verbunden. Nicht nur die Pädagogin und Frauenrechtlerin Henriette Breymann und ihr als Bildhauer bekannt gewordener jüngster Bruder Adolf August Wilhelm wuchsen hier auf, sondern viele Jahre später ein ebenfalls einer evangelischen Familie entstammender Spross.

Rolf Koppe wurde 1941 als Sohn des ebenfalls auf den Namen Rolf getauften Pastors Koppe in Mahlum geboren. Auch er studierte ev. Theologie und wurde zunächst Gemeindepastor in Hannover, Studieninspektor am Predigerseminar in Rotenburg/Wümme und später Pressesprecher der hannoverschen Landeskirche und der EKD. 1989 wurde er Landessuperintendent in Göttingen und ab 1993 bis zu seiner Pensionierung im Jahre 2006 Auslandsbischof der EKD.

Nicht hier, sondern in Hildesheim geboren, hatte der über Deutschlands Grenzen hinaus bekannte Opernsänger Thomas Quasthoff doch familiäre Wurzeln in Mahlum. Als Kind verbrachte er, offensichtlich schon damals gerne singend, viel Zeit bei seinen Großeltern in der dörflichen Idylle, von der er hier berichtet:

Bald habe ich heraus, dass sich Effekt und Ertrag meiner Privataufführungen durch zielgruppenoptimierte Präsentation um ein Vielfaches steigern lassen. Die Erleuchtung wird mir auf dem Mahlumer Friedhof zuteil, wo mein Großvater Emil begraben liegt. Es ist ein warmer Frühlingstag. Ich sitze in der Kinderkarre, Oma Else kniet in den Rabatten und traktiert das Unkraut mit dem Klappspaten. Ein sanfter Wind durchkämmt die Bäume, in der Hecke zirpen Rotkehlchen und Fink. In meinem Kopf zirpt ein Lied: ,,Die Tiroler sind lustig, die Tiroler sind froh". Ich weiß nicht, wie es da hineingekommen ist, ich weiß nur, das Lied muss wieder heraus. Laut und mit Schmackes.

Oma findet das gar nicht komisch: Mien lieber Junge, ich höre dich immer gerne singen, aber das passt nicht hierher, hier schlafen die Leute. Dann singe ich ,,Müde bin ich, geh zur Ruh". Oma ist ausmanövriert. Sie nimmt es mit amüsierter Gelassenheit.

Na dann sing mal, wenn du die Gosche partout nicht halten kannst. Ausgezahlt hat sich das aber erst auf dem Rückweg, vor dem Konsum. Dort lauert, abwechselnd an einer Juno Gold und an einer Halbliterflasche Wolters nuckelnd, Altbauer Hinke auf Gesellschaft. Strahlend wedelt er uns mit seiner Lodenkappe heran. Aaah, die Else und ihr’n lütten Domas. Na, Bengel, dich hev we jor lang nich sehn, spricht’s und lässt die Landmannspranke über meine Backe raspeln. Hermann Hinke bildet mit Oma und zwei weiteren Witwen eine Rommé- Runde, die regelmäßig in ihrer Stube tagt. Als sie ihm die Friedhofsgeschichte erzählt, will er sich ausschütten vor Lachen und drückt mir – for din Sparswin – ein Fünfzigpfennigstück in die Hand. Später hat er mich noch großzügiger entlohnt. Wenn sich meine Mahlum-Besuche mit den Sitzungen des Rommé-Quartetts überschneiden, bittet er mich manchmal, den zweiten großen Willi-Schneider-Evergreen abzusingen: ,,Man müsste noch mal zwanzig sein und so verliebt wie damals". Dazu verteilt der rüstige Charmeur Handküsse, Eierlikör und halbseidene Komplimente, was das rund zweihundertzwanzig Jahre alte Witwentrio jedes Mal in kichernde Backfische verwandelt und mir ein glattes Markstück einbringt.

Erinnerungen von Thomas Quasthoff (aus: Thomas Quasthoff – Die Stimme – Autobiografie , Ullstein Buchverlag, ISBN 9783548605807)

Johanne Juliane Henriette Breymann

Geb. 14.09.1827, gest. 25.08.1899

Die in Mahlum geborene Tochter des Pfarrers Ferdinand Breymann, der hier von 1824 bis 1851 die Pfarrstelle Mahlum/Bodenstein betreute, gilt als bahnbrechende Wegbereiterin des Kindergartenwesens in Deutschland und als eine der frühen Frauenrechtlerinnen. Aufgewachsen in einer aufgeschlossenen Umgebung, wurde sie sehr früh schon vertraut gemacht mit den bedeutenden Repräsentanten der deutschen Literatur, Musik und Kunst. Als 18-jährige kam sie 1842 zu einem längeren Aufenthalt zu dem bekannten Pädagogen Friedrich Fröbel nach Thüringen, einem Vetter der Mutter. Diese Begegnung wird zu einem entscheidenden Einschnitt in ihrem weiteren Lebensweg, „einem Wendepunkt meines Daseins“, wie sie später bekennt.

Begierig nimmt sie Fröbels Ideen zur Erziehung von Kindern und Jugendlichen in sich auf und fasst den Entschluss, fortan ihr Leben der Pflege von Kindern zu widmen. Zurückgekehrt nach Mahlum, folgen drei Jahre als Lehrerin in Schweinfurth und als Kinderbetreuerin in Baden-Baden. 1852 übernimmt der Vater die Pfarrstelle in Watzum bei Wolfenbüttel. Etwa zur gleichen Zeit kehrt die Tochter in das Elternhaus zurück mit dem Vorsatz, hier im Fröbelschen Sinne pädagogisch tätig zu werden.

Sie richtet in dem Gebäude unter mannigfachen Schwierigkeiten ein Mädchenpensionat ein, in welchem die aufgenommenen von der gesamten Familie unterrichtet werden, u. a. in Naturkunde, Geographie, Gesang und Turnen. Ihre Tätigkeit wird bestimmt durch die Vision der Wichtigkeit und Bedeutung der Bildung der Mütter für die Erziehung der Kinder und damit generell für die Heranbildung einer neuen Generation. 1857 kommen Kurse zur Ausbildung von berufsmäßigen Erzieherinnen und Kindergärtnerinnen hinzu, und die Arbeit der Henriette Breymann wird so bekannt, dass sie nach Belgien, in die Schweiz und nach England zu Vorträgen eingeladen wird.

Inzwischen nimmt das Angebot des Breymannschen Landerziehungsheimes in Watzum immer größere Ausmaße an, bis sich schließlich zeigt, dass die räumlichen Kapazitäten erschöpft sind. Deshalb wird in Wolfenbüttel unter Eingehung von Schulden ein 10 Morgen großes Grundstück erworben und zur Bildungsanstalt für Kindergärtnerinnen und Lehrerinnen – verbunden mit einem Kindergarten – ausgebaut. Zusammen mit Anne Vorwerck gründet Henriette Breymann einen „Verein zur Erziehung“. Vier Jahre später jedoch trennen sich die beiden engagierten Frauen, und Henriette Breymann geht zusammen mit ihrem Ehemann, dem Reichstagsabgeordneten Karl Schrader, 1872 nach Berlin, wo sie ihre pädagogische Arbeit fortsetzt, die Leitung der Ausbildung von Mitarbeiterinnen des Volkskindergartens in Friedrichsstadt übernimmt und 1874 den „Berliner Verein für Volkserziehung" gründet.

In dieser Berliner Zeit gewinnt sie auch die ideelle Unterstützung der Frau des späteren deutschen Kaisers Friedrich III. Henriette Breymann, die 1893 auf der Weltausstellung in Chicago den deutschen Beitrag „Kleinkinderfürsorge und Frauenbildung“ leitet, verstirbt am 25. August 1899 und wird danach in Wolfenbüttel beigesetzt. Heute erinnert an diese verdiente Frau in Wolfenbüttel die Henriette-Breymann-Straße und in Mahlum im Ambergau das „Evangelische Jugendheim Henriette Breymann".

aus: Klaube, Manfred: Biographisches Lexikon zu verdienten Bürgerinnen und Bürgern der Stadt Bockenem und des Ambergaus; Bockenem 2004

Spuren von historischen Produktionsstätten

Wassermühle

Zu finden: Mühlenberg 9

In der Chronik Mahlums berichtet der ehemalige Ortschronist Wilhelm Müller folgendes über die Dannenbaumsche Wassermühle.

Vor den großen Linden befand sich der Mühlenteich, und im Giebel unter dem kleinen Anbau drehte sich das Wasserrad. In der einigen hundert Jahren alten Wassermühle ruht heute der Mahlbetrieb. Nach dem Dreißigjährigen Krieg kamen die Vorfahren des heutigen Besitzers von Schweden (evtl. durch die Wirrnisse des Dreißigjährigen Krieges nach Schweden verschlagen) nach Mahlum und bauten die Wassermühle aus. Es waren zwei Gebrüder Dannenbaum, die laut Nachweis diesen Ausbau vornahmen. Um die Wassermühle in Betrieb zu setzen, waren zuvor viele umfangreiche Vorarbeiten nötig, und diese mussten ja alle von Hand durchgeführt werden. Ca. 300 m ostwärts musste ein neuer Mühlengraben von dem Flusslauf der Beffer abgezweigt werden, um den auch neu zu schaffenden Mühlenteich vor der Mühle mit Wasser zu füllen, damit das Mühlenrad immer genug Wasser beim Mahlvorgang hatte. (...) Bei diesen wohl nicht ganz leichten Erdarbeiten halfen die Einwohner Mahlums kräftig mit, denn ihr eigenes Getreide sollte ja auch gemahlen werden. Für diesen Handarbeitsdienst wurde das Getreide von dem Mühlenbesitzer verbilligt gemahlen.

Bis 1918 war die Wassermühle für die Öffentlichkeit voll in Betrieb. Es wurde Getreide als Backmehl und als Schrot für das Vieh vermahlen. Zwei Müllerburschen standen dem Besitzer zur Seite, denn Schrot und Mehl wurden ja auch mit einem Pferdegespann auf die Dörfer zu den Landwirten, Handwerkern und anderen Einwohnern gefahren.

Nach 1918 wurde nur noch Getreide für den eigenen Betrieb vermahlen.

1952 übernahm der heutige Besitzer Wilhelm Dannenbaum den Betrieb von seinen Vater Heinrich Dannenbaum, der den Betrieb 1914 übernommen hatte. Wilhelm Dannenbaum stellte jetzt auch das Vermahlen für den eigenen Betrieb ein, da umfangreiche Reparaturen notwendig waren. Die neuen elektrischen Schrotmühlen arbeiteten auch kostengünstiger.

Mühlenteich und Graben wurden durch den Ausbau des Sportplatzes und vor allem durch den Bau der Autobahn in den fünfziger Jahren verfüllt. Heute erinnern nur noch die großen Linden an den ehemaligen Mühlenteich. Die Straße zur Mühle wurde durch den Ortsrat „Mühlenberg" benannt.

(aus der Ortschronik von Mahlum 1990)

Das Mühlengelände wird heute privat genutzt und kann daher nicht besichtigt werden.

Essigfabrik (Christian Philipps, Nachfolger Albert Maul in Mahlum/Bockenem 1851-1957)

Zu finden: Braunschweiger Str.22

Am 1. April 1851 erhielt der Böttchermeister Christian Philipps in Mahlum von der Herzogl. Braunschweigischen Verwaltung die Konzession, eine Essigfabrik zu betreiben. Gleichzeitig erhielt er dafür ein Spiritus-Kontingent. Christian Philipps war der Sohn eines Mahlumer Böttchermeisters. Er erlernte das Handwerk seines Vaters, das in damaligen Zeiten ein erträgliches Geschäft war, da in allen Haushalten sämtliche Wannen, Eimer und Fässer aus Holz hergestellt wurden. Nach der Lehre und der Militärzeit ging er auf Wanderschaft, wie es damals üblich war. So kam er auch an den Rhein und arbeitete hier an mehreren Stellen als Böttcher bzw. als Küfer, wie man dort sagt. Für seinen Beruf gab es gerade im Rheinland viel zu sehen und zu lernen. Er arbeitete hier nicht nur in Kellereien, sondern auch in Betrieben, in denen Essig hergestellt wurde. In dieser Gegend wurde hauptsächlich Weinessig erzeugt, der aus dem Alkohol umgeschlagener Weine – sogenannter Stichweine – gewonnen wurde. Aber gerade in jener Zeit wurde auch nach einem neuen Verfahren, dem „Schnellessig-Verfahren“ Gärungsessig aus Spiritus bzw. Branntwein hergestellt.

Christian Philipps arbeitete eine Zeitlang auch in einem solchen Betrieb. Er interessierte sich sehr für die Herstellung, und es reifte in ihm der Plan, nach den Wanderjahren in Mahlum eine Essigfabrik zu errichten. Er setzte sich abends auf sein Zimmer und schrieb alles auf, was er am Tage gesehen hatte und was ihm für die Erzeugung des Essigs wichtig erschien. (...) Als Christian Philipps nach Beendigung der Wanderschaft in sein Heimatdorf zurückkehrte, machte er seinen Meister und übernahm die Böttcherei seines Vaters. Er richtete nebenbei im „Alten Land“ an der Unterelbe eine Essigfabrik im Auftrag eines Klienten ein und erhielt dadurch die finanzielle Grundlage für eine eigene Fabrik. Sein lange gehegter Wunsch ging in Erfüllung. Nach Erteilung der Konzession ließ er ein Gebäude nach seinen Plänen bauen und richtete darin seine Fabrik ein. (...) Christian Philipps musste in der ersten Zeit mansche Schwierigkeiten überwinden bis eine gleichmäßige gute Essigerzeugung angelaufen war. Damit gedieh das Geschäft, denn Philipps war auch ein geschickter Kaufmann. Der Mahlumer Essig erfreute sich eines guten Rufes. Die Belieferung der Kunden erfolgte per Achse mit Pferdegespann, und der Kundenkreis bestand aus Geschäften und privaten Haushalten, sowohl im Ambergau als im Kreis Gandersheim. Für die Familie brach eine Zeit bescheidenen Wohlstandes an.

1887 übergab Christian Philipps die Essigfabrik seinem Schwiegersohn, dem Kaufmann Albert Maul. Dieser hat den Betrieb in gleicher Weise weitergeführt. Sein Nachfolger wurde am 1. April 1914 sein Sohn Albert Maul jun.. Er hatte die Absicht, den Betrieb zu erweitern und zu mechanisieren. Durch den Ausbruch des 1. Weltkrieges wurde daraus nichts. Er wurde 1914 schwer verwundet und kam nach 5 1/2jähriger Kriegsgefangenschaft Mitte 1919 aus Frankreich nach Haus. Während dieser Zeit wurde der Betrieb von seiner Schwester Luise Schulze, geb. Maul weitergeführt. Sie erreichte durch harte Arbeit, dass sie ihrem Bruder einen laufenden Betrieb übergeben konnte. Albert Maul jun. verbesserte die ganze Einrichtung und stellte den Handbetrieb in der Fabrik auf einen automatischen Betrieb um. Dabei kam ihm die Einführung der Elektrizität sehr zu Hilfe; Mahlum erhielt 1921/22 elektrisches Licht. (...)

Nach dem 2. Weltkrieg trat eine Essigschwemme ein. Die Spiritus-Kontingente der Fabriken aus den Ostgebieten Deutschlands wurden hier im Westen verkauft. So konnten die großen Fabriken mehr Essig erzeugen und dadurch die Preise drücken. Durch die Verbreitung der Kunststoffe erlitt auch das Kapital der Fabriken – nämlich der Bestand an Fässern – eine Wertminderung. So waren viele kleine Fabriken gezwungen, ihre Produktion einzustellen. (...) Albert Maul spielte zwar mit dem Gedanken, die Fabrik noch einmal zu erneuern. (...) Sein plötzlicher Tod beendete alle Pläne. Seine Erben – Frau Frieda Maul und Frau Luise Schulze, geb. Maul – gingen 1957 auf ein Angebot der Fa. Jost & Ahrens, Hildesheim, ein und verkauften das Spiritus-Kontingent und den Fassbestand. Gleichzeitig übernahm Jost & Ahrens den alten Kundenstamm der Fa. Maul.

Jost und Ahrens waren ursprünglich zwei Essigfabriken in Hildesheim, die sich im Hinblick auf die wirtschaftliche Lage zusammengeschlossen hatten und nun die Mahlumer Fabrik mit hinzunahmen. Aber auch sie konnten sich nicht mehr halten, gingen nach einigen Jahren auf ein Angebot der Firma Dr. Kühne, Berlin, ein und veräußerten den gesamten Betrieb. Beide Hildesheimer Fabriken waren etwa um die gleiche Zeit wie die Maul’sche Fabrik gegründet worden. So hörte die Fabrikation des Essigs im Ambergau und im Hildesheimer Raum nach etwa 100 Jahren auf.

(aus: Klaube, Manfred: Leistung und Entwicklung – die Industrieunternehmen der Stadt Bockenem, Bockenem 1986, abgedruckt in der Ortschronik Mahlum1990)

Schafbadestelle

Zur Mahlumer Schafbadestelle folgt man von Mahlum aus der L500 Richtung Bodenstein. Nach etwa 100 m außerhalb des Ortes links abbiegen in den Feldweg und diesem etwa 1 km entlang der Beffer (Bach) folgen. Auf der linken Seite befindet sich dort die Schafbadestelle.

Am Bachweg in Richtung Bodesteiner Klippen stößt man in einer Höhe von 135 m ü.N.N. auf die vier Sandsteintröge einer Schafbadestelle. Von 1900 bis etwa 1920 wurden diese von Schafwäschern genutzt.  

Im Rahmen der Dorfentwicklung Ambergau-Süd ist ein Fahrrad-Rundweg angedacht. Die Schafbadestelle soll im Rahmen dieses Projektes ausgeschildert werden.

 

Wirtschaftsbetriebe

BOFERA Bockenemer Fertigrasen GbR

Ambergauer Duroc - Hof Wille

Beide zu finden: Alte Str. 11, OT Mahlum, 31167 Bockenem

Gleich zwei Betriebe liegen in den Händen der Familie Wille aus Mahlum.

Unter dem Firmennamen BOFERA wird in Mahlum Spiel & Sport- sowie Premium-Rollrasen produziert und vermarktet.  Kleinere Mengen für den Privatgarten können direkt in der Alten Straße 11 abgeholt werden.

Auf dem Hof der Familie Wille werden außerdem Duroc-Schweine gezüchtet, eine Kreuzung von roten Schweinen aus Guinea und iberischen Schweinen aus Spanien. Die Aufzucht der Tiere erfolgt in artgerechter Haltung und mit ausgewogener Fütterung ohne Gentechnik und die Gabe von Antibiotika. Das Fleisch der Duroc-Schweine wird nach alter handwerklicher Tradition zu verschiedenen Ambergauer Wurstwaren verarbeitet. Auch diese kann man direkt am Hof, aber auch an anderen Verkaufsstellen im Hildesheimer Raum kaufen.

Nähere Informationen zu den beiden Betrieben sind zu finden unter http://www.bofera.de/index.html und www.ambergauer-duroc.de.

Fortschritt auf 4 Hufen 

Zu finden: Übernweg 5, OT Mahlum, 31167 Bockenem

Zum Angebot von Sarah Kässens Reitbetrieb gehören pferdegestütztes Coaching und therapeutisches Reiten.  

Ziel des Therapeutischen Reitens ist die Unterstützung und Förderung von körperlich, geistig oder motorisch eingeschränkten Kindern und Jugendlichen und die Verbesserung ihrer Lebensumstände. Auf ihrer Reitanlage bietet Frau Kässens außerdem Voltigieren für Kinder ab drei Jahren im breitensportlichen Bereich bis hin zum Leistungssport an.

Wer sich hierüber und außerdem über pferdegestütztes Coaching informieren möchte, kann das unter http://www.fortschritt-auf-vier-hufen.de/index.php tun oder direkt in Mahlum hinter die Kulissen der Arbeit auf der Reitanlage blicken.