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Kultur in der Region Hildesheim

Geschichte

Geschichtliches

Der Ort Deinsen liegt in einer langgezogenen und flachgeneigten Aue zweier Bäche, des Solbachs und der Akebeke, zwischen dem Höhenzug Külf im Osten und dem Thüster- bzw. Duinger Berg im Westen und Süden. Diese fließen im Ortsgebiet zu einem Wasserlauf zusammen und sind nach D. E. Baring (in: Beschreibung der Saala im Amt Lauenstein des Braunschweig-Lüneburgischen Fürstenthums Calenberg ... aus dem Jahr 1744) ein entscheidender Grund für die Entstehung einer Siedlung gewesen, da sich in Bach-Auen gutes Wiesengelände für die Viehzucht bot. Auch Wilhelm Barner, Heimatforscher und Lehrer im benachbarten Deilmissen, wies 1931 auf diesen Zusammenhang hin: „Besonders ausgeprägt ist diese Lage bei Deinsen, das auf einem Sporn im Mündungswinkel zweier Bäche liegt ...“ Barner war auf Spuren eines Siedlungsplatzes an der Akebeke nördlich des heutigen Ortes gestoßen, die etwa auf die Zeit 5000 v. Chr. zurückgingen.

Die erste, allerdings unsichere urkundliche Erwähnung Deinsens erfolgte 1146, als Bischof Bernward von Hildesheim die Stiftung des Godehardi-Klosters in Hildesheim und dessen Ausstattung mit Ländereien in Deddenghusen bezeugt. Da in derselben Urkunde auch Ländereien in der nahe gelegenen Siedlung Bantenhusen erwähnt werden, liegt die Vermutung nahe, dass Bernward damals das heutige Deinsen erwähnte. Bis zu diesem Namen wechselte der Ortsname im Laufe der Jahrhunderte jedoch noch von Deynhusen im 13. und 14. Jahrhundert, über Dedensen im 17. Jahrhundert und danach zu Deynsen. Noch im Jahr 1845 ist die Bezeichnung Deensen gebräuchlich.

Auch der Kirchturm der Deinser Kirche ist ein Indiz für das hohe Alter des Dorfes, denn der untere Teil des Turmes entstand im 12. Jh., in den oberen Geschossen zeigt er Merkmale der gotischen Zeit.

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Wappen_Deinsen
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Deinsen_Ortsschild © Verena Bloch

Drei in unmittelbarer Nachbarschaft von Deinsen gelegene Siedlungen wurden schon vor dem Dreißigjährigen Krieg verlassen und fielen wüst. Die Gründe für die Auflösung der Orte Olshusen im Nordwesten, Bantensen im Westen und Sellighausen im Süden von Deinsen sind nicht bekannt. Während die Bewohner Sellinghausens nach Hoyershausen übersiedelten, zog es die aus Bantensen und Olshusen nach Deinsen. Da der Grundbesitz dieser drei Dörfer hauptsächlich zum Besitz der Grafen von Spiegelberg gehörte und diese in ihrem Wappen das Geweih eines Hirsches führten, wurde für das Ortswappen von Deinsen daher für jedes der drei Ursprungsdörfer eine Hirschgeweihstange gewählt. Diese liegen die waagerecht übereinander angeordnet auf rotem Grund. An Bantensen und Olshusen erinnern heute noch Flurnamen in der Deinser Feldmark (Am Banser Wege, Im Banser Syk, Unter dem Oeltzer Stiege, In den Oeltzer Wiesen), außerdem überlieferte und vom Dorflehrers Karl Kaye (tätig von 1914 -1946) gesammelte Geschichten, die hier nachzulesen sind.

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Leineberglandbalkon_BlickaufDeinsen © Verena Bloch
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Blick_auf_Deinsen3 © Verena Bloch
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Blick_auf_Deinsen1 © Verena Bloch
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Deinsen15 © Verena Bloch
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Deinsen13 © Verena Bloch
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Deinsen12LangeStr.12 © Verena Bloch
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Deinsen18 © Verena Bloch
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Deinsen7.LangeStr.1JPG © Verena Bloch
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Deinsen6 © Verena Bloch
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Deinsen4 © Verena Bloch
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Deinsen3 © Verena Bloch
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Linde_Deinsen1 © Verena Bloch

Über lange Zeit war Deinsen ein von der Landwirtschaft geprägtes Dorf mit guter Infrastruktur und das Ortsbild wird nach wie vor durch Höfe und landwirtschaftliche Betriebe bestimmt. Doch heute verdienen die meisten Bewohner ihren Lebensunterhalt in der Region und müssen auch für die täglichen Besorgungen den Ort verlassen. Das war einmal anders, denn in Deinsen wurde 1954 der erste ländliche Selbstbedienungsladen der BRD gegründet, über den hier mehr zu lesen ist.  Wirtschaftlich ist Deinsen jedoch noch immer recht gut aufgestellt. Im Dorf sind ein Friseur und eine Landbäckerei ansässig und diese ebenso Arbeitgeber wie ein Autohandel mit Werkstatt und eine Spedition. Darüber hinaus gibt es einen Elektromeisterbetrieb, einen Reifenhändler und einen Landmaschinen- und Schlossereibetrieb in Deinsen.

Die Schulkinder besuchen heute ausnahmslos Bildungseinrichtungen in der Umgebung, die Klein-und Vorschulkinder können aber nach wie vor in einem örtlichen Kindergarten betreut werden. Die etwa 350 in Deinsen lebenden Menschen setzen sich durch Mitgliedschaft und Engagement in der Kirchengemeinde und mehreren zum Teil schon Ende des 19. Jh. gegründeten Vereinen für die Dorfgemeinschaft ein und präsentieren das Bild ihres Ortes nach außen über eine eigene Website unter www.deinsen.de.

Im Zuge der Gebietsreform in Niedersachsen wurde Deinsen am 1. März 1974 ein Ortsteil des Fleckens Eime und mit diesem 2016 in die Samtgemeinde Leinebergland eingegliedert.

Historische Baulichkeiten

Nikolaikirche

Zu finden: Kirchstraße

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Nikolai2 © Verena Bloch
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Nikolai5 © 

Kirchenschiff und Turm der Nikolaikirche in Deinsen stammen aus unterschiedlichen Bauepochen. Von einer älteren Kirche blieb ein mittelalterlicher quergelagerter Turm mit Treppengiebeln erhalten. Der untere romanische Teil des Westturmes geht auf das 12. Jh. zurück, während die oberen Geschosse im 14. Jh. entstanden. Im Glockengeschoss hat der Turm auf den Giebelseiten jeweils eine und auf der Westseite zwei Doppel-Schallöffnungen, wobei die Trennungspfeiler der Westöffnungen herausgebrochen wurden. Ursprünglich hatte der Turm im Erdgeschoss drei rundbogige Eingänge, die zu unterschiedlichen Zeiten entstanden und von denen später zwei zugemauert wurden. Lediglich das in der ersten Hälfte des 16. Jh. gebrochene Südportal hat heute noch eine Türöffnung, deren Holztür kürzlich erneuert wurde. Die alte Tür hat einen neuen Platz im hinteren Kirchenschiff bekommen und wird dort sehr schön als Präsentationsmöbel genutzt.

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NikolaiEingang © Verena Bloch
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NikolaiAltesPortal © Verena Bloch

Zwischen Turm und Kirchenschiff gibt es heute keinen Durchgang und keine Öffnung mehr zum Kirchenschiff.

Dieses ist deutlich breiter als der Turm und schließt direkt an diesen an. Das Kirchenschiff entstand im Jahre 1843 nach Plänen des Architekten Ludwig Hellner (1791 – 1862) aus Hannover, dem direkten Vorgänger von Conrad Wilhelm Hase. Hellner plante im Landkreis Hildesheim auch die Johannis-Kirche in Nordstemmen und die Kirchen in Bettrum, Eimsen und Groß-Lobke.

Hellners Kirchengebäude ist eine klassizistische Saalkirche mit geradem Ostchor. Die Längsseiten haben jeweils sechs Achsen, wobei die erste Achse wie bei anderen Kirchenbauten Hellners leicht vorgezogen ist. In dieser Achse befinden sich sowohl auf der Nord- als auch auf der Südseite eine Eingangstür zum Kirchenschiff. Das Entstehungsjahr der Deinser Kirche ist über dem Südportal zu lesen.

Das Schiff der Nikolaikirche ist mit einer flachen Decke geschlossen.

Im Chor befindet sich eine zweigeschossige und in Weiß, Grau und Gold bemalte Kanzelaltarwand. Sie verläuft im unteren Geschoss über die ganze Breite der Wandfläche. Rechts und links liegen zwei zum Kirchenraum etwas vortretende abgerundete Nebenräume für die Sakristei und den Treppenraum zum oberen Geschoss. Diese sind durch zwei Türöffnungen von Chorraum aus zu erreichen. Im Mittelteil des Obergeschosses liegt der Kanzelkorb.

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Nikolai3 © Verena Bloch
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Nikolai4 © Verena Bloch
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NikolaiOpferstock © Verena Bloch
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NikolaiAltar1 © Verena Bloch

Von der ursprünglichen und alten Kirchenausstattung sind u.a. ein Standkruzifix, zwei Altarleuchter und der Taufstein erhalten. Das Standkruzifix auf dem Altartisch stammt aus dem 16. Jh, wobei der Korpus in späterer Zeit erneuert wurde, die beiden Altarleuchter gehen auf die 1. Hälfte des 17. Jh. zurück.

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NikolaiTaufstein1 © Verena Bloch
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NikolaiTaufstein3 © Verena Bloch

Der sechseckige Taufstein im Chor aus dem Jahre 1636 trägt im Beckenrand die Datierung und die Initialen und Zeichen des Steinmetzes. Auf der Beckenwandung sind in einer goldenen Inschrift die Stifternamen (Petrus Caesius – damals Pastor in Deinsen –, Henni Tilen, Hans Husing und Hinrich Issen) und der Vers aus Mk.16.16 zu lesen.

Auf der West-, Süd- und Nordseite hat die Kirche Emporen aus Tannenholz, die in denselben Farben wie der Kanzelaltar bemalt sind. Süd- und Nordempore sind bestuhlt, auf der Westempore befindet sich eine 1846 von Philipp Furtwängler aus Elze erbaute Orgel, über die hier weitere Details zu erfahren sind.

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NikolaiOrgel@Sarah Hase © Sarah Hase
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NikolaiOrgel © Verena Bloch

Die Durchbildung der Emporenanlage, die Ausbildung der Treppengeländer mit den im Zickzack verlaufenden Stäben und der Form der Kanzelaltarwand sind eindeutiger Merkmale für Hellners Handschrift bei der Planung der Deinser Kirche.

Unter der Orgelempore hängt zwischen den beiden Treppenaufgängen eine gerahmte Tafel, mit der an die Gefallenen der Kriege 1866, 1870/71 und 1914-1918 erinnert wird.

Pfarrhaus

Zu finden: Kirchstraße 4

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altes_Pfarrhaus © Verena Bloch
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altesPfarrhaus3 © Verena Bloch
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altes_Pfarrhaus3 © Verena Bloch
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altes_Pfarrhaus2 © Verena Bloch

Auf der Südseite der Nikolaikirche steht das alte Pfarrhaus von Deinsen, das im Jahr 1781 entstand und heute unter Denkmalschutz steht. In diesem Haus wohnt keine Pastorenfamilie mehr, aber seit Jahren ist hier im Untergeschoss die kleine Gemeindebücherei von Deinsen untergebracht. Als das Pfarrhaus verkauft wurde, gestattete der neue Besitzer der Kirchengemeinde die weitere und kostenfreie Nutzung einiger Räume für die Bücherei.

Alte Schulgebäude

Zu finden: Kirchstraße 2, Lange Str. 17 und Schulstr. 1

Direkt rechts neben dem Pfarrhaus und der Kirche schräg gegenüber steht das alte Schulhaus von Deinsen.

Laut Bericht einer Kirchenvisitation im Jahre 1585 wurde schon im 16. Jh. Kinder in Deinsen unterrichtet. Erwähnt wird ein Schulmeister, dem, wie zu dieser Zeit üblich, gleichzeitig die Aufgaben des Küsters und Schulmeisters übertragen wurden, der zunächst aber nur wenige Dorfjungen unterrichtete. Bis zur Einführung des Schulgesetztes 1845 brachten die Dorfbewohner dem regelmäßigen Schulbesuch vor allem aus wirtschaftlichen Gründen meist nur wenig Interesse entgegen. Die Mitarbeit der Kinder war notwendig und galt als selbstverständlich, der Schulunterricht war zudem kostenpflichtig.

In seiner Schulchronik aus dem Jahre 1907 kann Lehrer W. Flohr keine Angaben über die Entwicklung des dörflichen Schulwesens in der Zeit nach der Reformation in Erfahrung bringen, er vermutet, dass auch in Deinsen die Kinder nur in den Sommermonaten und nur an wenigen Tagen unterrichtet wurden. Mit der Einführung des regelmäßigen Unterrichts jedoch besuchten zeitweise mehr als 100 Kinder die einklassige Deinser Schule.

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1.Schule2 © Verena Bloch
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1.Schule4 © Verena Bloch
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1.Schule1.Kirchstr.2JPG © Verena Bloch

Das Schulhaus in der Kirchstraße entstand 1868 und diente gleichzeitig als Wohnhaus für Lehrer und seine/ihre Familie(n). Die Beschreibung des Gebäudes und der zugehörigen Anlagen sind trotz Veränderungen im Verlaufe der Jahre noch heute gut nachzuvollziehen: „Das Schulzimmer mit der Scheune ist an der Ostseite des Schulgebäudes gebaut. An der Südseite des Schulgebäudes ist ein 6,50 a großer Obstgarten. Der Hausgarten am Wege nach Lübbrechtsen ist etwa 9,30 a groß. (...) Das Schulzimmer ist von dem Wohnhaus durch einen Flur getrennt. (wie an den zwei Eingängen zu erkennen ist, Anm. d. Red.) Unser Schulhaus, welches(...)samt dem Unterrichtszimmer erbaut worden ist, richtet seine Giebelseite so ziemlich nach Norden und Süden; der Eingang ist von der Nordseite, doch befinden sich die beiden Wohnzimmer (unten und oben) an der Südseite. Küche und Speisekammer sind an der West- und Nordseite; außerdem befinden sich unten im Hause noch zwei Kammern, nämlich eine kleine Kammer vorne neben dem Flur links.“

Das Schulzimmer beschreibt Flohr als einen Raum mit Licht sowohl von der Süd- als auch der Ostseite. „An der Südseite sind drei, an der Ostseite zwei Fenster.“ Zwischen 1901 und 1909 besuchen zwischen 59 und 71 Kinder den Unterricht, wobei die Schülerzahlen zwischenzeitlich auf über 90 Kinder ansteigen. Während seiner Amtszeit zeigt sich der Lehrer mit dem Schulbesuch der Dorfkinder als zufrieden, „der Gesundheitszustand der Kinder ist, Gott sei Dank, diese Jahre her ein guter gewesen.“ Auch berichtet er von einer mittlerweile festgesetzten Ferienordnung, von Feiertagen, die er gemeinsam mit den Schulkindern gestaltet (z.B. Geburts- und Gedenktage Martin Luthers, des Kaisers/Kaiserpaares und deutscher Dichter, Sedansfest) und von Prüfungen, Schulausflügen und ersten Besuchen des Kreisarztes. Bemerkenswert sind auch die Empfehlungen der Königlichen Regierung zu Hildesheim, die Lehr- und Stoffpläne daraufhin zu prüfen, „daß dieselben nicht zuviel Unterrichtsstoff enthalten. Das, was unterrichtet wird, soll auch gründlich durchgearbeitet werden, alles Oberflächliche soll verkannt werden. Ferner sollen die Schüler viel mehr zum Sprechen, Erzählen, Vortragen herangezogen werden, sowie auch zum Berechnen, Messen, Niederschreiben. Die Denkarbeit und Urteilskraft der Schüler soll vielmehr in Anspruch genommen werden. Das, was in der Tat das Wichtigste im ganzen Schulleben ist, das Interesse der Schüler muß wachsen. Ja, wenn ein frisches, fröhliches Mitdabeisein der Kinder da ist, dann gedeiht unser Werk schon. (...) Der Lehrer soll nicht so viel reden, die Kinder desto mehr; der Lehrer soll nicht im Übereifer alles zeigen, erklären, vormachen, sondern die Kinder sollen denken, suchen, mit forschen, gewandt werden im Gebrauch der Worte, der Feder, des Stifts oder der Bleifeder; sie sollen befähigt werden, sich im späteren Leben zu helfen zu wissen.“

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zweite_Schule_Langestr.17 © Friedrich Vennekohl

Die zweite Schule entstand 1914 in der Lange Str. 17. Hier wurden die Deinser Kinder bis zur Fertigstellung des dritten Schulgebäudes im Jahre 1958 unterrichtet. Diese entstand am Ortsrand im Südwesten. Das Besondere an dieser Schule war ein „Sozialtrakt“, in dem öffentliche Wannenbäder untergebracht waren. Nach Erzählungen erlebten diese besonders an Samstagen großen Ansturm, denn ein Badezimmer war für viele Familien zur Zeit des Schulneubaus noch keine Selbstverständlichkeit.

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Deinsen_Neue_Schule_1_kl © Friedrich Vennekohl
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3.Schule2 © Verena Bloch
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3.Schule1 © Verena Bloch

In der dritten Deinser Schule wurde noch bis 1970 unterrichtet, später wurde es durch einen Anbau zum "Haus der Vereine" umgewidmet. Einen Teil der Räumlichkeiten nutzt heute außerdem der örtliche Kindergarten. Die beiden älteren Schulhäuser dienen seit vielen Jahren als Wohnhäuser.

Pfarrhaus, erste Schule und die zur landwirtschaftlichen Anlage gehörenden Gebäude Lange Str.9 sind als Gruppe baulicher Anlagen in der Liste der Baudenkmale in Deinsen verzeichnet.

Hirten-/Gemeindehaus

Zu finden: Kirchstr. 5 und Zwischen den Zäunen 2

Im Jahre 1896 wurde in der Kirchstr. 5 ein als Gemeinde- oder auch Hirtenhaus bekanntes Gebäude errichtet. Es war das Armenhaus des Dorfes, in dem besonders bedürftigen Dorfbewohnern Wohnraum zur Verfügung gestellt wurde. Später kam das Haus in den Besitz des Deinser Schuhmachers, der in dem kleinen zum Haus gehörenden Gebäude seine Werkstatt betrieb. Dieses heute mit der gesamten Wohnanlage als Baudenkmal eingestufte Fachwerkhaus ist noch immer im Besitz seiner Familie und heute privates Wohnhaus.

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Gemeinde-_Hirtenhaus1Kirchstr.5 © Verena Bloch

Ein weiteres Gemeindehaus baute man auch „Zwischen den Zäunen 2“. Wie an den beiden separaten Hauseingängen zu erkennen ist, wurde dieses Haus für die Nutzung durch zwei Familien geplant. Auch dieses Haus ist heute ein privat genutztes Wohnhaus.

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Gemeindehaus_alt1896 © Friedrich Vennekohl
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Gemeindehaus_Hirtenhaus_heute © Friedrich Vennekohl

Ehem. Gasthof

Zu finden: Lange Str.13

Das große Gebäude in der Lange Str. 13 ist heute nicht mehr als ehemaliger Gasthof des Ortes zu erkennen.  Über lange Zeit war er aber nicht nur als Gasthaus, sondern dank des rührigen und wirtschaftlich kreativen Gastwirtes Hampe auch in anderer Hinsicht für die Bewohner Deinsens von zentraler Bedeutung.

Grund und Boden sind seit mehr als 200 Jahren und bis heute im Besitz der Familie Hampe. 1817 heiratete Wilhelm Hampe aus (Groß-)Lengede Johanne Louise Weißenborn aus Deinsen und erwarb das damals noch mit der Hausnummer 17 geführte Grundstück. Bereits 1818 muss er dort seine Gastwirtschaft eröffnet haben, denn im April 1918 konnte der Gasthof Hampe seinen 100. Geburtstag feiern, wozu dem Nachkommen des Gründers, dem Gastwirt Georg Hampe, vom Deutschen Gastwirts-Verband eine Urkunde überreicht wurde.

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100JahreGastwirtschaftDeinsen

Ebenfalls auf dem Gelände und in den zugehörenden Gebäuden des Gasthofes befand sich eine Tischlerei, deren Betrieb von Louises Vater Johann Weißenborn geführt wurde und der später auf die Familie Hampe überging.

Im Laufe der Zeit nahm die Familie Hampe mehrere bauliche Veränderungen an den Gebäuden und auf ihrem Grundstück vor. Es entstand u.a. ein großer Tanzsaal. Ein Grundriss aus dem Jahre 1897 zeigt Tischlerei und Stallungen im Erdgeschoss des Gebäudekomplexes, während sich der Tanzsaal im Obergeschoss darüber befand und vom Garten aus über eine Treppe zu erreichen war. Hier wurden Versammlungen der Dorfgemeinschaft abgehalten, man traf sich darüber hinaus regelmäßig zu festlichen Anlässen – belegt sind beispielsweise die Feierlichkeiten anlässlich des Kaiser-Geburtstages, die in der Leine-Deister-Zeitung vom 2. Februar 1897 beschrieben werden.

Zusätzlich zum Schankbetrieb eröffneten Hampes zwischen 1885 und 1899 einen kleinen Gemischtwarenladen unter dem Dach des Gasthofes, der im Südteil des Hauses lag, von der Straße (heute „Hinter der Kirche“) aus direkt zu erreichen war und in dem die Deinser Bewohner ihre Einkäufe erledigen konnten. In diesem Ladengeschäft betrieb die Familie außerdem eine Postfiliale. Im Adressbuch des Kreises Gronau aus dieser Zeit ist der „Hokenhändler“ (Kaufmann) Georg Hampe eingetragen.

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Deinsen_Hampe_Gasthof_ca1920 © Friedrich Vennekohl
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Deinsen1Gasthof&Supermarkt © Verena Bloch
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ehem.Gasthof2 © Verena Bloch

36 Jahre später machte schließlich Georg Hampe jun. mit der Eröffnung des ersten ländlichen Selbstbedienungsladens der Bundesrepublik Schlagzeilen. Die Leine-Deister- Zeitung berichtet, dass die Gemeinde Deinsen mit ihren 700 Einwohnern über einen Laden verfügt, den „es noch nicht einmal in allen Großstädten, geschweige denn in kleineren Städten oder gar irgendwo in einem Dorfe gibt. (...) Der junge rührige Kaufmann und Gastwirt hat ihn an der Stelle des alten Gemischtwarenladens eingerichtet und nach modernsten Gesichtspunkten aufgebaut.“ Dazu hatte Hampe das Ladengeschäft durch Hinzunahme eines bis dahin zur Gastwirtschaft gehörenden Raumes deutlich vergrößert. Die Zeitung beschreibt weiter, dass der Geschäftsmann nun Hilfskräfte spart, „die er sonst für die Stunden des Andrangs nötig hätte, aber in der übrigen Zeit kaum beschäftigen könnte. Vielmehr jedoch spart der Kunde, nämlich Zeit und nochmals Zeit, und gewinnt Ruhe. Er darf ja beliebig lange aussuchen, niemand treibt ihn, niemand hält ihn auf, wenn er es nicht selbst tut. Die Hausfrauen fühlen sich nicht mehr von der nachfolgenden Kundin gedrängt, sie brauchen weder zu warten noch Rücksicht zu nehmen. Keiner guckt zu oder hört mit, was man kauft. Jeder ist sein eigener Verkäufer.“

1957 verpachteten Georg und Helga Hampe Gastwirtschaft und Saal und übergaben die ursprünglichen Fremdenzimmer dem Pächter als Wohnräume. Sie errichteten eine Obstplantage, auf der Erdbeeren, Johannisbeeren, Äpfel und Sauerkirschen angebaut wurden und bauten ihre Scheune zu einem Konservierungs- und Mosterei-Betrieb mit neuen Elekto- und Wasserleitungen um. Laden und Obstplantage blieben fast dreißig Jahre bis 1985 das Kerngeschäft der Hampes. Der Gasthof wurde mangels Pachtinteressenten 1971 aufgegeben. 1995 übernahm die Tochter Ute das Elternhaus, das seitdem privat als Wohnhaus von der Familie genutzt wird. Ein Teil des Hauses wurde umgebaut und modernisiert und wird heute von drei Generationen der Familie Hampe bewohnt. Sein äußeres Erscheinungsbild zur Straße hat sich im Laufe der Zeit verändert, doch während hier die Fachwerk-Fassade mit Schieferplatten verkleidet wurde, zeigt sich von der Gartenseite auch heute noch das Fachwerk des alten Deinser Gasthofes. Außenfassaden der Scheune, des Wohnhauses und des noch immer vorhandenen Tanzsaales stehen unter Denkmalschutz.

Ehem. Bauernhaus

Zu finden: Am Rosentor 7

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Am_Rosentor2-_7
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Am_Rosentor3-7 © Verena Bloch
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Am_Rosentor4-7 © Verena Bloch
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Am_Rosentor1-7 © Verena Bloch

Sehr romantisch und verwunschen wirkt das alte Bauernhaus Am Rosentor 7. Das Haus und die zugehörigen Gebäude wurden früher als landwirtschaftliche Anlage genutzt und sind als solche als Baudenkmal (Gruppe baulicher Anlagen) eingetragen. Das Wohngebäude entstand im Jahre 1804.

Darüber hinaus wurden die landwirtschaftliche Hofanlage Lange Str. 2 und die Gebäude der Lange Str. 12/12a als Gruppen baulicher Anlagen in Deinsen eingestuft.

Spuren von historischen Produktionsstätten

Mühle

Zu finden: Unter der Mühle 1

Deinsen wird von Süden nach Norden von zwei Bachläufen durchzogen, von denen der Sohlbach durch die Ortsmitte fließt, während die Akebeke am östlichen Ortsrand verläuft.

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Muhle_Deinsen_Nr_25_1952 © Friedrich Vennekohl
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Deinsen_Muhle_Haus_Nr25_2ca1990 © Friedrich Vennekohl

An der Akebeke lag seit 1649 eine Mühle. Erster Müller war Heinrich Ihßen, der den Mühlenbetrieb 1678 an Cord Ihßen übergab. Über die Geschichte der Mühle und deren wirtschaftliche Bedeutung ist kaum etwas überliefert.

Auch die heute auf dem Grundstück stehenden Gebäude lassen vom ehemaligen Mühlenbetrieb nichts mehr erkennen.

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