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Kultur in der Region Hildesheim

Interessant + Wissenswert

Schriftgut und Überliefertes

Heinrich Lobes

In Bornum werden zahlreiche Geschichten von Heinrich Lobes wie z.B. diese erzählt:

Heimweh

War wieder in der alten Heimat im lieben Ambergau,
dort kenn ich aus meiner Jugend noch vieles recht genau.

Gar manches hat sich verändert seit meiner Kinderzeit,
wie liegt das alles so ferne und doch für mich bereit.

Kenn noch alle Ecken und Winkel, wie ich sie früher geseh'n,
was ist nun seit 70 Jahren im Heimatdorf gescheh'n?

Mach altes Haus noch erhalten, so wie ich es einstmals erschaut,
viel neue hinzugekommen, modern und praktisch gebaut.

Sah noch die große alte Kirche wie oft ging ich einstmals
hinein, an der Straßenecke die Schule mit dem ersten Lehrer mein.

Stand oben hoch auf dem Berge, schaut weit hinunter ins Tal,
die grünen Wälder und Fluren erfreuten mich allemal.

Einst hatt' ich hier viele Bekannte, ich finde sie nicht mehr,
sind längst zur Ruh' gegangen, das Herz wird mir so schwer.

Werd dir die Treue halten, so lange mir die Sonne noch scheint,
in stillem, treuem Gedenken sind wir zeitlebens vereint.

 

Ambergau

Wenn ich vom Weinberg oben ins Tal hinunter schau,
liegt unten, mir zu Füßen, der schöne Ambergau.

Dem Heimatdorf als erstem gilt heute Gruß und Dank,
ihm fühl ich mich verbunden mein ganzes Leben lang.

Im Mittelpunkt ein Städtchen, der Marktplatz ladet ein,
könnt uns gar viel erzählen von Krieg und Feuerschein.

Ein Kranz von schmucken Dörfern erstreckt sich rings umher,
mit Wäldern auf den Höhen, das Land von Früchten schwer.

Von Hainberg schaut ein Bergfried ins Nettetal hinein,
von Wohldenbergs Geschichte berichtet jeder Stein.

Der Schutzpatron der Jäger, Hubertus von Gestalt,
in Stein erzählt die Sage vom Kreuzeshirsch im Wald.

Im Walde auf der Höhe, weithin im Gau bekannt,
ein riesengroßer Trichter: ,,Dillsgraben" zubenannt.

Von Dill, dem stolzen Ritter, gibt uns die Sage kund,
dass wegen bösen Frevels scin Schloss versank im Grund.

Die Bodensteiner Klippen, ein großes Felsenmeer,
sie kamen einst von Norden zur Eiszeit zu uns her.

Die Kaiserpfalz von Dahlum, geschichtlich interessant,
erbaut von Kaiser Otto, der hier Erholung fand.

Im 30-jähr'gen Kriege gab es hier bittere Not,
ein Dorf ward ganz zerstöret, viel Menschen traf der Tod.

In Upstedt auf dem Thie galt Recht vor der Gewalt,
steht eine ,,dicke Linde", viel hundert Jahre alt.

Die ,,liebe kleine Nette" durchfließt das stille Tal,
bracht niemals Mensch und Tieren groß Wassernot und Qual.

Viel Zuckerrübenfelder bedecken weit das Land,
einst harte, schwere Arbeit, heut leichter von der Hand.

Die große Bundesstraße, mit lebhaftem Verkehr
von Autos aller Arten, und täglich werden's mehr.

Kann nimmer dich vergessen, muss oft dich wiederseh'n,
du liebe, traute Heimat, wie bist du doch so schön!

 

Das gibt's so nur bei uns

Hochofen-Bratwurst

Zu finden: am historischen Hochofen, Hütteberg, 31137 Bornum

Etwa zwei Mal im Jahr finden öffentliche Veranstaltungen am historischen Industriedenkmal in Bornum statt. Dann gibt es dort die leckere Hochofen-Bratwurst nach dem originalen Rezept von Schlachtermeister Lars Bode aus Bornum. Wer diese einmal kosten möchte, sollte schon aus diesem Grund das nächste Event am Hochofen nicht verpassen.

Termine für Veranstaltungen am Hochofen sind beim Verein für Heimatkunde im Ambergau unter www.heimatkunde-ambergau.de zu erfahren.

Wasser, Wasser ihre Not

Das Gedicht „Wasser, Wasser ihre Not“ stammt von Erich Bohnsack, der von 1901 bis 1985 in Bornum lebte. Es erzählt die Geschichte von einem Zigeunertreck, der in einer Gastwirtschaft um Wasser bat, dort keines bekam, daher die Gastwirtschaft verfluchte, die dann Anfang der achtziger Jahre in Bornum abbrannte ...

Wasser, Wasser ihre Not

In das Dorf Bornum zogen, lang ist´s her
Pferdewagen, die vom Meer
gekommen waren, getrieben von der Unrast Blut.
Abends bei des Sommers Glut
stoppte die Zigeunersippe
in des Dorfes Mitte.

Müde von der Tagesreise
schlurfte eine Frau ganz leise
in die Wirtschaft von dem Ort
und sie fragte dann auch dort
freundlich nach des Brunnen Nass
doch die Antwort war nur Hass.

„Wasser wollt ihr Zigeunerschlampe?“
motzte bös der Gastwirt Hampe.
„Hier bei mir kriegt Zigeunerpack
nur den Knüppel aus dem Sack!“
Und geknickt ging dann die Arme
zurück zu ihrer Karawane.

Wasser, Wasser ihre Not
brauchten sie, wie täglich Brot!

Von der Turmuhr schlug die Glocke
sechs Mal als vom Kutscherbocke
eine Frau mit Haaren, die schlohweiß,
einer Stimme, die siedend heiß
Antwort laut und deutlich gab,
in die Stille wie im Grab.

Und die Stille war so arg,
wie sie sein kann nur im Sarg.
Wind wehte nicht mehr weiter,
kein Vöglein zwitscherte heiter,
Wolken standen hoch am Firmament,
Bewegung, Atmen war eingedämmt.

„Hörer, was ich Euch jetzt sage,
bevor wir Zigeunerplage
weiterzieh´n in all die Fernen,
die beschienen von den Sternen …
Diese Wirtschaft sei verflucht …
kein Wirt soll finden das Glück, das er sucht!“

Wasser, Wasser ihre Not
brauchten sie, wie täglich Brot!

Wie der Wind begann zu weh´n
kam Bewegung in das Steh´n
und auch der Zigeunertreck
machte sich auf seinen Weg.
So was hat´s hier nie gegeben
weiter ging des Dorfes Leben.

Die Erinnerung blieb wach
und ein Fühlen leicht und schwach
blieb in den Seelen der Dörfler drin
und nach Jahren kam der Sinn
in die Worte dieser Alten,
die kein Wasser hat erhalten.

Sieben Wirte in fünf Jahrzehnten versuchten ihr Glück
in der Wirtschaft und munkelnd blickten da zurück
die Menschen des Dorfes auf die Zeit
die vergangen lang und weit …
Die Wirte hatten kein Glück im Geschäft.
Es ging nicht, es ging nicht, es war einfach schlecht.

Wasser, Wasser ihre Not
brauchten sie, wie täglich Brot!

 Der siebte Wirt war nach drei Jahren,
der letzte und musste erfahren,
was es bedeutet, wenn Wasser fehlt,
wie wichtig doch das Wasser zählt,
nicht zum Trinken, zum Dinieren
nein, um Feuer zu eliminieren!

Der rote Hahn stand dann in einer Nacht
über´m Gasthaus – wo nun keiner lacht.
Lodernd leckten lange Flammen
an den Balken und den Pfannen.
Krachend stürzte das Haus ein.
Wird das Pech zu Ende sein?

Wasser, Wasser ihre Not
brauchten sie, wie täglich Brot!

Nachsatz:       

Das Haus ist wiederaufgebaut,
modern und anders, doch keiner glaubt,
dass sich damit Geschäfte machen lassen,
weil Dinge da einfach nicht passen …
Woran es liegt, weiß keiner,
nicht einmal ich, der Reimer

Spuren von historischen Produktionsstätten

Dampfmolkerei

Zu finden: am Ortsausgang Ri. Jerze/Ortshausen, schräg gegenüber vom Friedhof

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DampfmolkereiBornum © Verena Bloch

Am Ortsausgang von Bornum steht das Gebäude der alten Bornumer Dampfmolkerei, die von 1902 bis 1962 in Betrieb war. Später hatte hier eine Seifenfabrik ihren Standort, heute wird das Haus privat als Wohnhaus genutzt.

Faktorei / Verwaltungsgebäude der Wilhelmshütte

Zu finden: auf dem Gelände der ehemaligen Wilhelmshütte

Die Wilhelmshütte, die ihren Namen von ihrem Gründer Herzog August Wilhelm zu Braunschweig erhielt, hat Bornum geprägt und war von 1727 mit Unterbrechungen bis zur Schließung im Jahre 1966 wichtiger Arbeitgeber für die Menschen in Bornum und Umgebung. Abgesehen vom Abriss einiger Nebengebäude, u. a. des sog. Gefolgschaftshauses aus dem Jahre 1939, besitzt das Werksgelände noch sein äußeres Erscheinungsbild wie zur Zeit der Stilllegung. Zeugen dieses für den Ambergau bedeutenden Unternehmes sind auf dem weitläufigen Gelände noch heute der historische Hochofen aus dem Jahre 1783 und die Betriebesgebäude wie die große Faktorei oder Teile der ehemaligen Schmiede. Diese werden heute allerdings von unterschiedlichen kleineren Firmen genutzt. Die ehemaligen Werkhallen sind als Lagerraum verpachtet, und auf der Westseite des Geländes besteht ein kleiner Betrieb der Sparte Chemietechnik. Erhalten geblieben, aber baulich nicht in gutem Zustand, erinnert das 1729 errichtete Verwaltungsgebäude des Hüttenfaktors – daher auch Faktorei genannt – noch an die Hochzeiten der Wilhelmshütte.

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WilhelmshütteFaktorei © Dieter Rüdiger
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Bild_07_Bornum_Wilhelmshütte_Verwaltung © Dieter Rüdiger
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Wilhelmshütte_Bornum © Verena Bloch
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WilhelmshütteBornum1 © Verena Bloch
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WilhelmshütteBornum2 © Verena Bloch

Das Gelände der Wilhelmshütte ist zu großen Teilen noch in seinen ursprünglichen Ausmaßen erhalten geblieben. Zwar wurden einige Gebäude nach der endgültigen Schließung abgerissen, doch das ehemalige Verwaltungsgebäude –  auch Faktorei genannt – steht noch heute. Baulich nicht in gutem Zustand, erinnert es doch noch an die Hochzeiten des einstmals wichtigsten Industriebetriebes im Ambergau.

Nach dem Konkurs der Wilhelmshütte gründete ein Hildesheimer Unternehmer hier die Harzer Achsenwerke, über die man hier mehr erfahren kann.

Hochofen der Wilhelmshütte

Zu finden: Hütteberg

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Wilhelmshütte_Hochofen_Bornum__1 © Verena Bloch
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Wilhelmshütte_Hochofen_Bornum1 © Verena Bloch
Der historische Hochofen, der 1982 renoviert wurde, gilt als bedeutendstes Industriedenkmal seiner Art in Norddeutschland. Heute ist er leider erneut sanierungsbedürftig. Die Stadt Bockenem lehnt einen Erwerb des Hochofens aus Kostengründen ab, schloss aber mit dem Besitzer 2016 eine erneute Nutzungsvereinbarung, um zumindest das Gelände um den Hochofen für den Tourismus attraktiver gestalten zu können.

2015 gelangten zwei Wandreliefs aus Privatbesitz von Dortmund nach Bornum zurück. Sie waren einst in der Wilhelmshütte gefertigt worden und sind Teile eines fünfteiligen Zyklus „Lebensstationen eines Kriegers“, deren übrige Tafeln sich im Besitz des Deutschen Historischen Museum in Berlin befinden. Warum die fünf Reliefs getrennt wurden und wie drei Tafeln nach Berlin gelangten, ist bisher ungeklärt. Aus rechtlichen Gründen war das Deutsche Historische Museum an einer Leihgabe und somit an der Vervollständigung des Zyklus nicht interessiert, und so entschied man in Bornum, die heimgekehrten Wandreliefs von nun an im Bockenemer Turmuhren- und Heimatmuseum auszustellen. Hier hat auch ein Fotobuch mit dem Titel „Wilhelmshütte bei Seesen“ aus dem Dortmunder Privatbesitz seine neue Heimat gefunden.

Der Verein für Heimatkunde im Ambergau e.V. erzählt hier anschaulich in Text und Bildern von der Geschichte der Wilhelmshütte.

Wassermühle

Zu finden: von der Seesener Str. (B243) in den Fischerberg abbiegen. Dieser Straße folgen. Nach einer Rechtsbiegung liegt das Mühlengebäude direkt geradeaus.

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Bornum_Mühle_1949 © Dieter Rüdiger
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Bornum_Mühle_006_2013_04_18 © Dieter Rüdiger
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Bornum_Mühle_008_2013_04_18 © Dieter Rüdiger

Da die Bornumer Mühle keinen direkten Zugang zur Nette hatte, sondern am Rhüdener Teich lag, wurde sie in Bornum auch „Rhüdener Teichmühle“ genannt. Die Bornumer Mühle unterstand dem Amt Seesen, hatte fünf Obergeschosse, drei Mahlgänge und einen Ölgang. Bauern aus Bornum, Jerze, Ortshausen, Klein Rhüden und Hahausen waren verpflichtet, hier ihr Korn verarbeiten zu lassen. Während eines Unwetters im Jahre 1777 nahmen Teich und Mühle großen Schaden. Das noch heute stehende Mühlenhaus wurde 1820 erbaut. Der Betrieb der „Neuen Mühle“ wurde 1965 eingestellt, das Mühlhaus wird seitdem als reines Wohnhaus genutzt. Der Rhüdener Teich wurde zugeschüttet und existiert heute nicht mehr.

Wirtschaftsbetriebe

HAW Linings

Zu finden: Werkstraße 30

Die HAW Linings GmbH ist ein Unternehmen, das sich aus den „Harzer Achsenwerken“ bzw. später „Harzer Apparatewerken“ in Bornum entwickelte. Ursprünglich hatte sich die „HAW Linings GmbH“ auf den industriellen Korrosionsschutz spezialisiert, heute produziert sie unter anderem Innenbeschichtungen für Kesselwagen. 1996 hat das Unternehmen den stillgelegten Streckenabschnitt der Bahn zwischen Derneburg und Bornum gepachtet und betreibt diesen seitdem als Werksanschluss.

Die „Harzer Achsenwerke“, aus denen später die „HAW Linings GmbH“ hervorging, wurde 1899 in direkter Nachbarschaft zur Wilhelmshütte vom Hildesheimer Unternehmer F. W. Schwemann und dessen Onkel Wilhelm Rabius gegründet. Als die Wilhelmshütte 1901 Konkurs anmelden musste, fasste man den Entschluss, die Produktion der Wilhelmshütter Wagenachsen fortzuführen und die Beschäftigten der Hütte auf diese Weise weiter zu beschäftigen. Schon 1900 wurde mit dem Bau einer Eisengießerei begonnen. Sechs Jahre später gehörten die Harzer Achsenwerke bereits zu den größeren Firmen dieser Art in Deutschland. Nach einigen Jahre übernahm Schwemanns Sohn Georg die Geschäftsführung, unter seiner Leitung erfolgte 1916 die Erweiterung in eine Maschinenfabrik und Apparatebaufirma. Georg Schwemann stellte im Jahr 1917 den Ingenieur Walter Althoff ein, der die Gießerei für den Behälter- und Apparatebau ausbaute. Bis 1925 entwickelte Althoff nach Vorarbeiten eines Mitarbeiters einen Werkstoff, mit dem die Auskleidungen von Behältern, Chlorelektrolysezellen und Rohrleitungen möglich war. Mit der Verwendung dieser Gummierung, die unter den Namen „Vulcoferran“ auf den Markt kam und bis heute in der Industrie verwendet wird, konnte sich das Unternehmen von anderen Apparatebauern abheben und hatte großen wirtschaftlichen Erfolg in der sich entwickelnden Chemischen Industrie. Es folgten Auskleidungen von Behältern, Chlorelektrolysezellen, Rohrleitungen, Armaturen usw. im  Bornumer Werk, aber auch Montagen außerhalb der Firma. 

Bis Mitte des 20. Jh. ging die Rentabilität von Gießerei und Wagenschmiede deutlich zurück, sodass man sich zur Einstellung dieser beiden Sparten entschloss und den Namen des Unternehmens in Harzer Apparatewerke änderte.

Bis Ende der 80er Jahre des vorigen Jahrhunderts lag der Schwerpunkt der Produktion auf Apparatebau und Gummierung, in der Folgezeit wurden außerdem die sogenannte „Bornumharz-Auskleidung“ – ein Phenolharz – sowie die Fertigung von glasfaserverstärkten Behältern und Rohrleitungen aus PVC unter der Bezeichnung „HAWODUR“ hinzugenommen. Eine wirtschaftliche Krise führte jedoch Anfang der 90er Jahre dazu, dass ein großer Teil der Belegschaft im Rahmen eines Sozialplanes entlassen werden musste.

In den nun folgenden 20 Jahren fanden mehrfach Eigentümerwechsel durch Übernahme oder Zusammenschluss von Firmen statt, bis sich 2007 wieder ein eigenständiges und inhabergeführtes Unternehmen unter dem Namen „HAW Linings GmbH“ in Bornum entwickelte.  Nach der Insolvenz im April 2010 erfolgte die Neugründung der „HAW Linings GmbH“ durch die „GTB-Unternehmensgruppe“ aus Marl.

Putenhof

Zu finden: Heerstraße 35

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PutenhofBornum © Verena Bloch
Viele Einkaufsmöglichkeiten hat man in Bornum heute nicht mehr. Eine Ausnahme ist der im Ort angesiedelte Putenhof.

Der Putenhof ist ein landwirtschaftlicher Betrieb mit angegliederter Putenmast. Über seine Verkaufsstellen im Dorf und auf Wochenmärkten in der Umgebung, im Harz und in Hildesheim vertreibt der Betrieb sein vor Ort geschlachtetes Geflügel, das zuvor in Ställen auf Stroh freilaufend mit sehr viel Freiraum aufgezogen wurde.

Wer Genaueres über das Angebot und die Verkaufsstellen erfahren möchte, bekommt Informationen über die website des Putenhofes unter https://www.putenhof-bornum.de/

Telefon: 0 51 21 / 3 66 54
Telefon: 0 50 67 / 8 58 21 98
E-Mail schreiben

Harzer Achsenwerke

Über die Geschichte der Harzer Achsenwerke erzählt Gustav Philipps aus Königsdahlum folgendes:

Gegründet wurden die Harzer Achsenwerke, weil die Eisenhandlung F. W. Schwemann in Hildesheim bis zum Jahre 1899 ihre Wagenachsen in beträchtlicher Menge von der damaligen „Wilhelmshütte“ bezogen hatte. Die Wilhelmshütte war in finanzielle Schwierigkeiten geraten und musste sogar im Jahre 1901 Konkurs anmelden. Das veranlasste die damaligen Geschäftsführer von F. W. Schwemann, in Bornum ein neues Werk zu bauen, dass die guten Bornumer Achsen weiter geliefert werden konnten. Fachpersonal war von der Wilhelmshütte vorhanden und so gründeten die beiden Geschäftsführer Adolf Schwemann und sein Onkel Wilhelm Rabius im Jahre 1899 die „Harzer Achsenwerke GmbH“ bei Bornum (Harz) mit Sitz in Königsdahlum. Die Postanschrift lautete Bornum am Harz, weil Königsdahlum weiter entfernt lag. Das Fabrikzeichen war ein wilder Mann mit der Achse.

Da das Achsengeschäft nicht so gut lief, wurde bereits im Jahre 1900 mit dem Bau einer Eisengießerei begonnen. Der Eisenguss half dem Werk die ersten Kinderkrankheiten zu überwinden. Im Jahre 1906 waren die Harzer Achsenwerke bereits an 6. Stelle unter den größeren Firmen dieser Art. Nach dem Tod des bisherigen Geschäftsführers Carl Heppe übernahm der Sohn Georg von Adolf Schwemann die Leitung. 1916 erfolgte die Erweiterung in eine Maschinenfabrik und Apparatebaufirma. Georg Schwemann holte im Jahr 1917 Oberingenieur Walter Althoff, der die Gießerei für den Behälter- und Apparatebau ausbaute.

Die Produktion von Gummibällen einer anderen Firma war es letztlich, die zur Erfindung der Gummierung führte. Die Gummibälle blieben nach der Vulkanisation an den Eisenformen kleben. Es war eine Erfindung wider Willen. Der Chemiker Ahrens, der diese Versuche genau analysiert hat, fand heraus, dass durch sauren statt neutralen Faktis diese Haftung möglich war. Mit dieser Erfindung könnte Ahrens nirgends landen, bis die Harzer Achsenwerke auf ihn aufmerksam wurden. Für die Chemische Industrie war die Gummierung der geeignete Überzug, da Gummi gegen Säuren und Laugen resistent ist. Nach langen und schwierigen Versuchen, bei denen leider der Chemiker Ahrens wegen der vielen Fehlversuche das Handtuch schmiss und eines Tages verschwunden war, war es dann Walter Althoff der seine Arbeit fortsetzte. Er war es auch, der den entscheidenden bis dahin aufgetretenen Fehler in der Temperatur des Heizens fand. Dieses war im Jahre 1925.

Von da ab konnte die chemische Industrie beliefert werden. Die neue Auskleidung nannte Walter Althoff ‚Vulcoferran’ – Gummi + Eisen. Mit dieser Entwicklung konnte sich das Unternehmen von anderen Apparatebauern abheben und hatte großen wirtschaftlichen Erfolg in der sich entwickelnden Chemischen Industrie. Es folgten Auskleidungen von Behältern, Chlorelektrolysezellen, Rohrleitungen, Armaturen usw. im Werk. Aber auch Montagen außerhalb der Firma, und ab 1951 sogar Baustellengummierung wurden weltweit vor Ort ausgeführt. Mit dieser Entwicklung konnte die Technologie auch zu den Kunden „vor Ort“ gebracht werden, was ebenfalls zu einer Ausweitung des Geschäfts führte.

Nachdem die Gießerei nicht mehr produktiv war, eine Neuinvestition aber nicht infrage kam und auch die Hammerschmiede, die kaum noch Wagenachsen, sondern in der Hauptsache Glockenklöppel produziert hatte, die auch nicht mehr zu verkaufen waren, wurde beide Bereiche geschlossen. Nun entschloss man sich zur Umbenennung: der Name Harzer Achsenwerke wurde in Harzer Apparatewerke geändert. Bis Ende der 80er Jahre des vorigen Jahrhunderts war der Apparatebau und die Gummierung die Hauptproduktion. In der Zwischenzeit hatte man noch die Bornumharz-Auskleidung – ein Phenolharz – sowie die Produktion von Behältern und Rohrleitungen aus PVC, glasfaserverstärkt, unter der Bezeichnung „HAWODUR“ aufgenommen. Eine wirtschaftliche Krise erschütterte Anfang der 90er Jahre das Unternehmen, so dass im Jahre 1993 ein großer Teil der Belegschaft im Rahmen eines Sozialplanes entlassen werden musste. 1997 wurden die „HAW GmbH & Co. KG“ von der „SLG Carbon AG“ übernommen. 1998 erfolgt der Zusammenschluss mit der „SLG Technik GmbH“ in Meitingen und Gendorf zu der „HAW Linings GmbH“. Im Jahre 1999 erfolge der Kauf der „Keramchemie GmbH“ durch die „SLG Carbon AG“. Die Verschmelzung der „HAW Linings GmbH“ und „Keramchemie GmbH“ zu der „SLG Acotec GmbH“ fand im Jahre 2000 statt. Zum 01.01.2005 verkaufte die „SLG Carbon AG“ die „SLG Acotec GmbH“ an den Finanzinvestor „Adcuram aus München. Dieser firmierte die „SLG Acotec GmbH“ um zur „KCH GROUP GmbH“. Im Jahre 2007 wurde die „KCH GROUP GmbH“ in einzelne Unternehmen aufgespalten. So entstand auch wieder die eigenständige „HAW Linings GmbH“ in Bornum. Diese wurde von Oktober 2007 bis zur Insolvenz im Jahre 2010 als ein selbständiges inhabergeführtes Unternehmen geführt. Im April 2010 erfolgte die Neugründung der „HAW Linings GmbH“ durch die „GTB-Unternehmensgruppe“ aus Marl.

(Zusammengestellt und bearbeitet von Gustav Philipps, Königsdahlum. Verwendete Literatur: siehe Literatur-Anhang)

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