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Geschichte


Geschichtliches

Die erste urkundliche Erwähnung findet Burgstemmen vermutlich im Jahre 996 im sogenannten ersten Testament des Bischofs Bernward von Hildesheim unter dem Namen Stemmen. In dieser Stiftungsurkunde widmet er seinen Eltern und seinem Bruder zum Gedächtnis die 996 errichtete Kreuzkapelle, aus der später das Kloster St. Michael, das erste Männerkloster der Diözese, hervorgeht und dessen Michaelisbasilika heute zum Weltkulturerbe zählt. Zum Grundbesitz seiner Stiftung gehört zu dieser Zeit neben umfangreichem Grundbesitz unter anderem auch eine Eigenkirche, die Kirche von Burgstemmen.

Seit dem 13. Jahrhundert findet sich in den Urkunden zur Unterscheidung vom nördlich gelegenen Nordstemmen die Namensform Borchstemme, aus der sich später der heutige Name Burgstemmen entwickelt und der auf die oberhalb der Leine gelegene Poppenburg zurückgeht. Diese strategisch günstig gelegene Burg beherrschte den Leineübergang eines alten Handelsweges, der heutigen Bundesstraße 1. Kaiser Heinrich III. schenkte das Königsgut bei der Poppenburg der Hildesheimer Bischofskirche und wenige Jahre später gelangte auch die Burg in ihren Besitz. Der Hildesheimer Bischof übertrug die Burg an das schwäbische Grafengeschlecht Wedekind, die sich fortan Grafen von Poppenburg nannten und über 200 Jahre Besitzer der Burg blieben. Das heutige Wappen Burgstemmens, zwei silberne Balken auf blauem Schild, in denen fünf rote heraldische (fünfblättrige) Rosen mit grünen Kelchspitzen und goldenen Staubgefäßen liegen, leitet sich ab vom Wappen der Grafen von Poppenburg.

Heute verfügt der dörflich geprägte Ort über einige Dienstleister und Handwerksbetriebe, für Lebensmittel und andere Dinge des täglichen Bedarfs sind die Burgstemmer aber auf die Geschäfte des zwei Kilometer entfernt gelegenen Nordstemmen angewiesen. Seit 1974 gehört Burgstemmen zum Gemeindeverbund Nordstemmen und ist mit gut 1000 Einwohnern deren drittgrößter Ort. Verkehrsgünstig an der B1 und der Nähe der B3 gelegen erreichen die in Burgstemmen lebenden Menschen bequem Hildesheim und Hannover. Beide Städte sind darüber hinaus auch über den Bahnanschluss in Nordstemmen zu erreichen.

Rund um den Ort, an der Leine und in den nahe gelegenen Wald- und Naturschutzgebieten bieten sich viele Möglichkeiten für Spaziergänge und Fahrradtouren. Ein 15 Hektar großes Sandgrubengelände wurde von einer ortsansässigen Familie erworben und zu einem für jedermann zugänglichen Landschaftspark umgestaltet.


Historische Baulichkeiten

  • Poppenburg Burgstemmen (4) © Verena Bloch

    Poppenburg

    Mühlenweg
    31171 Burgstemmen

    Die Poppenburg liegt an einem steilen Hang oberhalb der Leineniederungen und an einem in ihrer Geschichte strategisch wichtigem Punkt, dem Leineübergang des alten Handelsweges vom Rheinland bis nach Mitteldeutschland. Sie gehörte zu den alten Königsburgen, die das Leinetal und damit den Weg ... weiterlesen

St. Michael

Zu finden: Bethelner Straße

Die Michaelskirche in Burgstemmen ist eine einschiffige Bruchsteinkirche mit einem Turm. Sie wurde um das Jahr 1200 erbaut und zählt damit zu den ältesten Kirchen im Landkreis Hildesheim. Mit den Kirchen von Mahlerten und Feldbergen gehört sie zu den wenigen romanischen Kirchen, deren ursprüngliche Anlage mit durchgängiger Wölbung erhalten geblieben sind und die über einen niedrigen Durchgang vom Turm in das Langhaus verfügen.

Das äußere Mauerwerk besteht aus relativ kleinen und handlichen quaderförmigen Steinen. Die großen Kantenquader dienten vermutlich nicht nur konstruktiven, sondern auch dekorativen Zwecken.

Im Inneren von St. Michael liegt eine Decke mit zwei Gewölbefeldern über dem Kirchenschiff. An sie schließen sich ein quadratischer Chorraum und eine ungekürzte Apsis an. Der schmucklose quadratische Turm besitzt ebenfalls ein Kreuzgratgewölbe. Im Turmgeschoss befinden sich zweiteilig gekuppelte und durch eine Säule geteillte Schallöffnungen. In etwa vier Metern Höhe erkennt man eine Turmöffnung, die vermutlich nur durch Zuhilfename einer Leiter erreicht werden konnte. So konnten die Dorfbewohner Burgstemmens in Kriegszeiten wertvolle Habe, Saatgut und Dokumente sicher verwahren. Sie betrachteten den Kirchturm über Jahrhunderte als ihr Eigentum. Die Dorfgemeinschaft trug die Kosten für Instandsetzung und übernahm außerdem die Anschaffung der Glocken und der Turmuhr. Seinen spitzen Turmhelm erhielt er, wie aus einem verwitterterten Stein über der Eingangstür zum Turm zu ersehen ist, im Jahre 1602.

Im Knauf des Turmkreuzes werden seit Jahrhunderten insgesamt fünf Dokumente mit Berichten über das Zeitgeschehen, das kirchliche Leben oder abgeschlossene Reparaturarbeiten aufbewahrt. Das älteste Schriftstück geht auf das Jahr 1600 mit der Renovierung des Turmes zurück, das bislang letzte stammt von 1969. In diesem berichtet Pastor Hermann Voss von Abriss- und Neubauarbeiten der kirchlichen Gemeinde und fügte Schilderungen von der ersten Mondlandung und dem geteilten Deutschland hinzu.

Erst seit 1956 ist der Turm im Besitz der protestantischen Kirche und die politische Gemeinde ist seitdem von allen Kosten freigestellt.

Das Kirchenschiff wurde im Laufe der Jahrhunderte mehrfach verändert. Zwei kleine romanische Fenster im Chorraum wurden zwischen 1766 und 1768 vergrößert und zusätzlich vier große Fenster in die Wände des Kirchenschiffs gebrochen, um das Kircheninnere mit mehr Licht zu versehen. Das blieb, wie noch heute am nördlichen Mauerwerk der Kirche zu sehen ist, nicht ohne Folgen, denn hier wich die Wand nach außen und musste im oberen Bereich neu angesetzt werden.

Die letzten Renovierungsarbeiten in den Jahren 1981 bis 1983 legten den wohl ältesten Kirchenschmuck von St. Michael frei, der leider nur zu einem geringen Teil erhalten geblieben ist. Man entdeckte in Apsis und Chorraum die Reste romanischer Wandmalereien aus der ersten Hälfte des 13. Jahrhunderts, von denen in der Apsiswölbung die Figur des Christus - auf einem Thron mit halbrunder Lehne und innerhalb einer spitzovalen Mandorla (einem mandelförmigen Heiligenschein) sitzend - am besten erhalten ist. (Eine ähnliche Darstellung ist auch in der St. Bartholomäus-Kirche von Mahlerten zu sehen).
Links neben ihm erkennt man den Oberkörper der stehenden Maria, rechts von ihm eine Hand und Teile eines Gewands, die vermutlich der Figur Johannes des Täufers zuzurechnen sind.

Im Deckengewölbe des Chorraumes sind in den Resten der stark zerstörten Malereien möglicherweise die Symbole der vier Evangelisten zu sehen.

Die Decke des Kirchenschiffes ist entlang der Grate und Gewölbeanschnitte mit schmalen rötlichen Zierstreifen geschmückt, die an ihren Kreuzungspunkten in einer vierblättrigen Rosette enden. In den Spitzen der Gewölbedreiecke sind kleine Renaissance-Engelsköpfe zu erkennen.

Der heutige Barockaltar aus Tannen- und Lindenholz stammt aus dem Jahr 1742 und ruht auf einem Altartisch und dessen Unterbau aus Sandsteinquadern aus vorreformatorischer Zeit. Bildschnitzer und Maler des Altarbildes sind nicht mehr bekannt. Im Altarbild ist der gekreuzigte Chistus dargestellt, im kleinen Bild darunter die Abendmahlsszene.

Neben dem Altar in der linken Wand des Chores befindet sich ein Sakramentenschrank aus frühester Zeit, in dem Hostienschale und Kelch aufbewahrt wurden. Auf dieser Seite befinden sich ebenfalls die Grabplatten der Pastoren Jakob Schwan (1626 bis 1648) und Tobias Keil (1649 bis 1681). In der Apsis rechts vom Altar ist außerdem das Weihekreuz der Kirche zu erkennen.

Die beiden Ölgemälde in der südlichen Chorwand zeigen Pastor Christian Henricus Werkmeister (1681 bis 1697) und dessen Nachfolger Johann Christoph Prossel (1698 bis 1732).

Das farbige Fenster aus dem Jahre 1895 ist eine Schenkung der Familie Oppermann für ihren mit 26 Jahren verstorbenen Sohn.

Jüngste Anschaffung in St. Michael ist die Orgel aus dem Jahre 2011. Der Prospekt mit seinen Schaupfeiffen sind jedoch noch von einem Vorgängerinstrument aus der Barockzeit erhalten geblieben. Ebenso auf die Barockzeit zurück gehen Orgelempore und Priechen.

Heute gehört St. Michael zur Dreikirchengemeinde mit St. Bartholomäus in Mahlerten und St. Mauritius in Heyersum.

Eine Besichtigung der Kirche ist nur vor oder nach einem Gottesdienst möglich.

Evangelisches Pfarrhaus

Zu finden: Bethelner Straße

Das Pfarrhaus links neben der Kirche wurde im Jahre 1790 gebaut. Seine Eingangstür auf der Westseite erhielt das Gebäude aber erst 1858 im Zuge von Reparaturarbeiten an der Südwand vor Amtsantritt des Pastors Gustav Blumenau. Das Pfarrhaus wird auch heute noch vom Pfarrer der Gemeinde als Wohnhaus genutzt.

Altes Schulhaus

Zu finden: Bethelner Straße

Über die Errichtung der ersten Burgstemmener Schule gibt es heute keine Informationen mehr. Da die Calenberger Kirchenordnung von 1542 jedoch die Einrichtung von Dorfschulen forderte, ist davon auszugehen, dass es zu dieser Zeit auch in Burgstemmen eine Schule gegeben hat, Dokumente hierzu gingen jedoch bei Plünderungen im Dreißigjährigen Krieg und in Folge eines Brandes im Jahre 1646 verloren. Wie in jedem anderen Dorf der Umgebung war schon zu dieser Zeit auch hier der Kantor und Küster der Gemeinde für den Unterricht der Dorfkinder verantwortlich.

Das bis heute im Ort erhalten gebliebene Schulhaus wurde 1808 ausschließlich für den Unterricht der evangelischen Kinder errichtet und 1859 durch einen Anbau erweitert. Das Haus neben dem Friedhof war gleichzeitig Wohnhaus des Kantors und beherbergte neben dem Schulzimmer außerdem eine Dreschtenne und einen Viehstall. 1828 wurden 75 Kinder in der einzigen Schulstube unterrichtet und da deren Zahl ständig wuchs, wurde der Anbau notwendig. Parallel dazu befand sich auf der Poppenburg lange eine Schule für die katholischen Kinder des Dorfes und der Umgebung. Dieses Gebäude existiert heute nicht mehr.

Der gemeinsame Unterricht von katholischen und evangelischen Kinder fand in Burgstemmen erst seit 1855 und über 30 Jahre im Gebäude neben der St. Michaelskirche statt. Erst im Jahre 1884 erhielt der Ort ein größeres Schulgebäude an anderer Stelle. Heute ist das alte Schulhaus am Friedhof ein privates Wohnhaus.

Wie der Lehrer zu Ostern zu seinen Ostereiern kam, kann man hier lesen.

St. Joseph

Zu finden: Auf dem Gelände der Poppenburg, zu erreichen über den Mühlenweg und die Straße Am Paradies

Nach der Rückgabe der Poppenburg an das Bistum Hildesheim im Jahre 1643 setzte eine Rekatholisierungswelle ein. Diese wurde durch den damaligen katholischen Amtmann der Burg, Johann Nikolaus von Vorst, besonders gefördert. Er ließ im Wohnflügel der Burg ein Zimmer zu einer Kapelle ausbauen und stattete diese aus seinen Privatmitteln mit Kelch, Messgewändern und Paramenten aus. Die Gottesdienste feierten mit der noch kleinen Gemeinde Jesuitenpatres aus Hildesheim. So kann die Geburtsstunde der St. Josephs-Pfarrei bereits auf diese Zeit festgelegt werden. Wenn auch Fürstbischof Maximilian Heinrich den katholischen Gottesdienst auf den Amtshäusern erst 1657 anordnete, geht die erste Eintragung in das Kirchenbuch der Poppenburg schon auf das Jahr 1644 zurück.

Im Laufe der nächsten hundert Jahre wuchs die katholische Gemeinde auf der Poppenburg u.a. durch die Zuwanderung katholischer Händler aus dem Raum Köln und Lüttich stetig an. Die 1654 und auch die Ende des 17. Jahrhunderts gebauten Kapellen konnten den Platzbedarf nicht decken. Als um 1770 im Rahmen von Umbaumaßnahmen die Brauerei aus dem alten Palas der Burg in ein neues Gebäude verlegt wurde und der Palas ungenutzt blieb, erhielt die St. Josephs-Gemeinde die Zustimmung für dessen Umwidmung in eine Kirche. Durch das Entfernen der Zwischendecken entstand ein hoher Kirchenraum, der zusätzliche Tageslicht durch die Schaffung großer Fenster erhielt. 1786 wurde dieser neue Kirchenraum eingeweiht und wie schon die Vorgängerkapellen unter den Schutz des Heiligen Joseph gestellt.

Den noch heute in der Kirche stehenden Barockaltar erhielt die Gemeinde vom zu dieser Zeit aufgelösten Jesuitenkolleg in Hildesheim. Im Altarbild ist die Verkündigung Mariens dargestellt. Über dem Gemälde befindet sich die Figur des Heiligen Joseph auf der Weltkugel. Er trägt das Jesuskind auf dem Arm. Links und rechts neben den Altarsäulen stehen die Figuren von Ingnatius von Loyola und dessen engem Freund Franz Xaver, den Begründern des Jesuitenordens.

Die geschnitzte Marienfigur im hinteren Teil der Kirche ist eine Schenkung polnischer Saisonarbeiter auf der Domäne Poppenburg und den Bauern der Umgebung im Jahre 1911. Der Taufstein stammt aus dem Jahre 1930, die mechanische Furtwängler Orgel mit vollständig erhaltenem Pfeiffenbestand aus dem Jahre 1881.

Die Burgkirche blieb Pfarrkirche für die umliegenden Dörfer, bis 1971 eine moderne und neue katholische Kirche in Nordstemmen entstand. Die Burgkirche ist nur zu Gottesdienstzeiten geöffnet.

Schäferhaus

Zu finden: Im Park der Poppenburg, zu erreichen über den Mühlenweg. Diesem geradeaus bis zum Eingangstor zum Park folgen. Von hier aus ist das Schäferhaus schon zu sehen.

Ganz wie der Name schon sagt, war dieses Fachwerkhaus einmal das Wohnhaus des Schäfers auf der Poppenburg. Es liegt im Burgpark und ist auch bei geschlossenem Parktor gut zu sehen. Seit 2011 bevölkert die Schäferhaus-WG das Gebäude. Das heißt, seine Räume werden von dem Verein Dorfkultur Burgstemmen genutzt.

Leinebrücke und Zollhaus

Zur sicheren Überquerung der Leine wurde die Leinefurt schon im Mittelalter durch eine Brücke ersetzt. Eine Leinebrücke wird in Burgstemmen bereits im Jahre 1251 erwähnt. Noch bis in die Zeit des Königreiches Hannover wurde hier Brückenzoll von jedem Fußgänger und Pferdefuhrwerk erhoben. Daran erinnert auch das ehemalige Zollhaus unterhalb der Poppenburg, ein Fachwerkhaus, das gegenwärtig noch als Wohnhaus genutzt wird.


Spuren von historischen Produktionsstätten

Windmühle

Zu finden: Mühlenweg

Die Mühle in Burgstemmen ist die vierte Mühle an dieser Stelle. Sie wurde im Jahre 1872 gebaut. Die ersten beiden Mühlen Burgstemmens waren Bockwindmühlen. Alle Mühlen gehörten zum Besitztum der Poppenburg. Die heutige Mühle diente bis 1972 als Getreidemühle der Herstellung von Mehl und Futterschrot.

Über 10 Jahre nutzte sie der in Mahlerten ansässige Bildhauer Manuel Donato Diez als Atelier und Ausstellungsraum.