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Kultur in der Region Hildesheim

»Die Schwarze Witwe« opfert ihren Deckel für das Wasserarchiv

Getanzt, gedruckt, gesammelt, gemalt, gesungen: „Wasser“ im KuNo

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Kim-Denise Uhe trennt sorgfältig den Block aus dem Buchdeckel, der später einmal Hülle für eine Wasserprobe im Wasserarchiv werden soll. © Wiebke Barth

„Die Schwarze Witwe“ muss heute dran glauben, auch „Der Bastian“ wird geopfert: Kim-Denise Uhe rückt alten, längst ausgelesenen Büchern zuleibe, trennt die Blöcke aus den Deckeln heraus, um diese neu zu befüllen. Für die Tage der offenen Ateliers erstellt sie ein Wasserarchiv der Region rund um ihren Heimatort Hönze. Bei ausgedehnten Spaziergängen mit ihrem Labrador folgt Kim-Denise Uhe den Bachläufen, die in Innerste oder Leine münden, bis zu ihrem Ursprung und nimmt in der Nähe der Quelle eine Wasserprobe. Die kommt dann in einen Buchdeckel. Auf dem Umschlag werden Angaben zum Wasserlauf, zu Länge, Lage, Namen gemacht. „Gewässer sind wie Adern“, erklärt die Künstlerin ihr Interesse, „sie verzweigen sich immer mehr.“

Dass sie ihr Archiv vollständig hat bis zu den Tagen der offenen Ateliers im September, glaubt sie zwar nicht, das ist aber auch gar nicht ihr Ziel: So können sich BesucherInnen beteiligen, in den folgenden Wochen selbst Wasserproben mitbringen. Schließlich ist das Projekt „Wünschelrutengänge im Hildesheimer Land“ des Netzwerks Kultur & Heimat mit den Ateliertagen nicht beendet, sondern geht im nächsten Jahr weiter. Da wird sich dann zeigen, wie viele wassergefüllte Bücher sich im Regal aneinanderreihen.

Das Thema „Wasser“ scheint unendliche Möglichkeiten zu eröffnen. Die gemeinsame Überschrift macht im Kunsthaus Nordstemmen die Vielfalt der Techniken, Mittel und Ideen bei der Annäherung umso deutlicher. Neben der Vorsitzenden Kim-Denise Uhe beteiligen sich dort auch Cornelia Brand-Sarstedt, Martina Rick, Marion Kerns-Röbbert und Siegfried Stöbesand an den Tagen der offenen Ateliers.  

Geplant sind eine Memory- und eine Video-Installation, ein Wasserchor, ein Wasservorhang und ein riesiges Gemeinschafts-Gemälde, bei dem getanzt werden darf. Und als „Hildesia 2025“ bekommt die Hildesheimer Kunstszene eine Fördermittel-Infusion, damit sie die Bewerbung für den Titel der Kulturhauptstadt noch erlebt. Was allen Projekten gemeinsam ist: „Wir legen unseren Schwerpunkt darauf, die Leute einzubeziehen“, sagt Kim-Denise Uhe.

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Der Adler auf dem Kanaldeckel in der Stadt Goslar hat mit seinen gebogenen Schwungfedern etwas Verspieltes an sich. © Wiebke Barth

Zusätzlich werden im ganzen Kunsthaus Arbeiten der dort tätigen KünstlerInnen zum Thema Wasser zu sehen sein. Dazu gehören auch die von Gullydeckeln inspirierten Drucke von Kim-Denise Uhe. Wo Wasser ist, ist auch Abwasser, hat sich die Künstlerin gesagt. Und wer dabei etwas Trübes und Übelriechendes assoziiert, wird durch ihre Bilder eines Besseren belehrt. Seit ihrer Tätigkeit als archäologische Zeichnerin richtet Uhe ihren Blick bei Stadtrundgängen auch mal auf den Boden und das, was sich darunter befindet. Und wurde dadurch darauf aufmerksam, dass die Deckel auf der Kanalisation zum Teil originelle Beschriftungen und dekorative Bildmotive tragen. Davon hat sie Abdrücke genommen, sie digitalisiert und aus den Elementen Neues komponiert. Wenn sie mit ihrem Papier über Kanaldeckeln herumhantierte, hat sie manches Mal eine kleine Menschentraube um sich geschart, kamen Fragen auf und Gespräche: „Das ist für mich Kunst“, sagt Kim-Denise Uhe.

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Kim-Denise Uhe verwendet den Abdruck von Kanaldeckeln in neuen Zusammenhängen für ihre Bilder. © Uhe

Das Kunsthaus Nordstemmen in der Hauptstraße 32 ist an den Tagen der offenen Ateliers am Sonnabend, 16. September, und Sonntag, 17. September, jeweils von 11 bis 18 Uhr geöffnet. Die Tage der offenen Ateliers als Teil des Projektes „Wünschelrutengänge im Hildesheimer Land“ werden veranstaltet vom Netzwerk Kultur & Heimat, unterstützt vom Landesministerium für Wissenschaft und Kultur, der Landesarbeitsgemeinschaft Soziokultur, der Stiftung Niedersachsen, der Kulturstiftung der Sparkasse Hildesheim sowie vom Landkreis Hildesheim.

Eine Liste der teilnehmenden Künstlerinnen und Künstler findet man auf www.netzwerk-kultur-heimat.de .

Text: Wiebke Barth

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